Sind bei der Salzdetfurth AG, Hannover, die dividendenreichen Jahre vorüber? Die Kürzung von 14 auf 12 % für 1962 ist vor allem auf die Stillegung des Steinkohlenbergwerks Mansfeld zurückzuführen. Dieses einschneidende Ereignis erforderte von der Holding die Übernahme eines Verlusts von fast 8 Mill. DM, und es wird die Erträge der einst mächtigen „Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb“ für die nächste Zeit auf unter eine Million im Jahr reduzieren.

Schon seit einigen Jahren verliert der Bereich Kohle und Metall bei der Salzdetfurth AG an Bedeutung, während die Umsatzerlöse der seit 1957 zum Konzern gehörenden „Chemischen Fabrik Kalk“ ständig zunehmen und mit 150 Mill. DM nicht mehr viel hinter dem Fremdumsatz von Kali und Steinsalz (mit 182 Mill. DM) zurückbleiben.

Für den Rückgang des Konzern-Fremdumsatzes von 410 auf 396 Mill. DM sind vor allem die Bereiche Kohle und Metall verantwortlich, aber auch geringere Erlöse aus dem Kali-Export. Ein Vergleich zwischen Umsatz und ausgeschüttetem Gewinn bietet keinen Anlaß, die Dividendenkürzung zu kritisieren; denn der auszuschüttende Gewinn der Salzdetfurth AG wird 1962 genau wie 1961 etwa 3,8 % des Fremdumsatzes betragen. Ein solcher Anteil kann sich im gesamten westdeutschen Bergbau sehen lassender hält auch Vergleichen mit anderen Gesellschaften im Kali-Chemie-Geschäft stand. So beträgt die Dividendensumme bei der Kali-Chemie AG (ebenfalls 12 %) etwa 3 % des Konzern-Fremdumsatzes.

Manches spricht dafür, daß auch in nächster Zeit eher mit einer zwölf- als einer vierzehnprozentigen Dividende zu rechnen ist. Aus der Mansfeld-Stillegung werden zwar – wie Vorstandsvorsitzer v. Velsen vor Journalisten sagte – keine weiteren Verlustübernahmen die Holding belasten. Dafür wachsen die Zinsaufwendungen, denn die Bankverbindlichkeiten sind von dem unbedeutenden Betrag von 17 000 DM im Vorjahr auf mehr als 27 Mill. DM gestiegen. Dadurch nahmen die in der konsolidierten Konzernbilanz ausgewiesenen Verbindlichkeiten von 62,5 auf fast 91 Mill. DM zu. Trotzdem besteht vorerst nicht die Absicht, die kurzfristigen Kredite etwa durch die Aufnahme von Schuldscheindarlehen in langfristige Schulden umzuwandeln. Eine solche Umwandlung sei erst dann aktuell, wenn sich die deutsch-französischen Kali-Pläne in Kanada realisierten. Im vorigen Jahr wurde das lang erwartete Erscheinen der kanadischen Konkurrenz auf dem internationalen Kali-Markt eine Tatsache, wenn auch im wesentlichen erst auf den Fernen Osten beschränkt ist.

Die Salzdetfurth AG ist mit einem Fünftel an einem deutsch-französischen Konsortium beteiligt, das sich noch in diesem Jahr entscheiden will, ob es mit einem Aufwand von rund 46 bis 48 Mill. Dollar in Kanada ein Kalibergwerk abteufen wird. Diese Investition würde sich über einen Zeitraum von fünf Jahren erstrecken. Käme das kanadische Projekt nicht zum Zuge, dann ließen sich die Bankschulden der Salzdetfurth AG rasch abbauen, weil bei hohen Abschreibungen die Investitionen der nächsten Jahre nicht mehr das Ausmaß von 1962 (mit fast 53 Mill. DM) erreichen werden.

An der Tendenz, die Rücklagen zu stärken, will jedoch die Verwaltung festhalten, so daß wohl nur bei außergewöhnlich günstigen Umständen mit einer Rückkehr zu den höheren Dividenden von 1960 und 1961 zu rechnen ist.

K. D.