Lieber Freund,

wieder einer Deiner Irrtümer übers Rheinland, wenn Du meinst feststellen zu können, die katholische Publizistik, die von hier aus in die weiten deutschen Lande dringt, sei eintönig.

Nimm allein Köln, von wo aus in so verschiedenen Tonlagen die aus ein und derselben Brust gesogene Wahrheit hinausposaunt wird. Da gibt es „twen“ (beachte das kleine t, bitte); es gibt den „Feuerreiter“, die „Kölnische Rundschau“, den „Rheinischen Merkur“ und als auflagenstärkstes Organ die „Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln“.

Wenn Du Dir vorstellst, es schriebe jemand ein Konzert für Jazztrompete, Harmonium, Blockflöte, Posaune und Mundharmonika, so könnte das ganz interessant sein, wenn nicht alle Instrumente verstimmt wären; und wie immer Du ein solches Konzert nennen magst – eintönig ist es nicht.

Nein, nein, es ist ein vieltönig’ Brausen, das da über Land geht; und wo jeder auf seine Weise angesprochen wird, kommt auch bei jedem was an: Mag’s auch ein wohlverpacktes, elegant verschnürtes, möglicherweise gar noch versiegeltes Stückchen Dreck (ich verkneif mir aus Gründen des Anstands, was mir auf den Lippen schwebte) sein – ankommen tut’s, und ich hörte neulich während einer Lehrerversammlung den beachtlichen Slogan „Es kommt drauf an, Kollegen, daß wir ankommen“.

Gewiß, ich bin wie Du betrübt darüber, daß Oberländer nun Nieder ins (ich hätte fast geschrieben Oberhaus!) Parlament kommt, aber es tröstet mich doch ein wenig, in der gleichen Nummer der Zeitung zu lesen, daß die Royal Dutch ausgesprochen optimistisch ist.

Tröstlich ist auch, zu wissen, daß die Aktiengewinne immer noch um einige Prozente höher liegen als die Geldentwertung. Leider gibt es hier in der Umgebung von Bonn kein Milchmädchen mehr, das ich um Rat fragen könnte, wie eine solche Rechnung wohl auf die Dauer ausgehe.