Acht Tage nachdem der Verband Deutscher Reeder an die Bundesregierung zugunsten staatlicher Maßnahmen appellierte, meldete sich auch der Verband Deutscher Schiffswerften von seiner traditionellen Tagungsstätte, dem Süllberg-Restaurant in Blankenese, mit ähnlichen Forderungen zu Wort. Durch Wettbewerbsverzerrungen infolge direkter und indirekter Subventionen für die ausländische Konkurrenz – so wurde erklärt – sank der deutsche Anteil am Weltschiffbau von rund 15 % auf 11,8%. Im vergangenen Jahr wurden nur Aufträge über insgesamt 250 000 Bruttoregistertonnen hereingenommen (allerdings brachten die ersten fünf Monate dieses Jahres den deutschen Werften bereits neue Aufträge von rund 300 000 BRT).

Nach einem Gutachten zweier neutraler Treuhandgesellschaften, die im Auftrage des Verbandes Deutscher Schiffswerften arbeiteten – das Bundeswirtschaftsministerium war nicht beteiligt –, sollen die sogenannten Vertragsverluste bei den Neubauten von 1959 bis 1961 und bei den Aufträgen für 1962 rund 301 Millionen Mark betragen haben. Die Schlußfolgerung des Werft Verbandes liest sich so:

„Die Tatsache, daß die subventionierten oder durch steuerliche und sonstige Präferenzen gestützten ausländischen Werftindustrien ihren Anteil am Neubaugeschäft nicht nur behaupten (wie z. B. Belgien, Dänemark, Frankreich und Holland), sondern zum Teil sogar erhöhen konnten – wie Japan, Schweden, Norwegen, Spanien, Polen und Jugoslawien – zeigt, daß der deutschen Werft-

industrie nur durch adäquate Maßnahmen

wirksam geholfen werden kann.“

Der Bedarf an langfristigen Kreditmitteln zu „marktgerechten Konditionen“ für die Neubaufinanzierung wird auf jährlich rund 600 Millionen Mark beziffert.

Weshalb sich nun allerdings der Sprecher der deutschen Werften, der Vorsitzende des Verbandes, Konsul Adolf Westphal, Vorstandsmitglied der größten deutschen Werft mit dem größten Auftragsbestand, sich nur noch bedingt an der in Vorbereitung befindlichen Enquête der Bundesregierung und der Küstenländer, interessiert zeigte, bleibt eine offene Frage. Es müßte doch den Werften sehr entscheidend daran liegen, daß endlich einmal zu allen volkswirtschaftlichen, betriebstechnischen und betriebswirtschaftlichen Fragen des Schiffsbaus das Grundlagenmaterial erarbeitet wird, das dann hoffentlich konkrete Schlußfolgerungen zuläßt.