Über einen im Braugewerbe tobenden „Absatzkampf um jeden Preis“ bei stetig wachsender Konzentration des Käufermarktes beklagt sich die Dortmunder Union-Brauerei AG, Dortmund, kurz DUB genannt, in ihrem Bericht über das Geschäftsjahr 1962. Der bei den Brauereien zu verzeichnende Anstieg der Personal- und Rohstoffkosten könne – so hieß es in Dortmund – nicht mehr durch Rationalisierungsmaßnahmen aufgefangen werden. Ein Ausgleich für den sinkenden Gewinn pro Hektoliter wird auf dem Wege einer Mengenkonjunktur gesucht. Aber die Erhöhung des Bierausstoßes habe Preiszugeständnisse und Nebenleistungen zur Folge, die kaufmännischen Kalkulationen nicht mehr entsprächen. Verschärft werde der Kampf um den deutschen Biertrinker außerdem noch durch „kostenbegünstigte importierte Biere“, wie die DUB in ihrem Geschäftsbericht betont. Die Biereinfuhr in die Bundesrepublik ist tatsächlich im vergangenen Jahr um 48,7 % angestiegen, entspricht aber doch mit 244 146 hl nur 0,4 % des deutschen Bierkonsums. Die Wettbewerbsverschärfung ist vor allem beim Flaschenbier zu verzeichnen, das dafür aber auch in der Gunst des Verbrauchers erheblich höher steht als das Faßbier, das kaum noch Zuwachsraten erzielt. Der Trend zum Genuß des Bieres in den eigenen vier Wänden hält unvermindert an.

Im gesamten Bundesgebiet einschließlich Westberlin wurden im vergangenen Jahre 62,2 Mill. hl Bier erzeugt; genau 10% davon sind in Dortmund, der größten „Bierstadt“ der Bundesrepublik gebraut worden. Die DUB hat an dieser Entwicklung erfolgreich teilgenommen. Mit 1,664 Mill. hl erreichte die Union-Brauerei 1962 ihre bisher höchste Jahreserzeugung. Zusammen mit den drei Tochterbrauereien in Bonn, Frankfurt und Iserlohn – die alle drei nunmehr die 100 000-hl-Grenze überschritten haben – hat die Dortmunder Union 1,993 Mill. hl Bier ausgestoßen; das entspricht einer Zuwachsrate von 4,1 % Die Umsatzsteigerung auf 144,6 (140,7) Mill. DM hält sich im Rahmen der Produktionsentwicklung, bietet also nicht unbedingt einen Anhalt für die von der Verwaltung erwähnten „Preiszugeständnisse“.

Allerdings mußte auch die Dortmunder Union im vergangenen Jahr nochmals stärker in das Flaschenbier einsteigen; die Faßbiererzeugung blieb zurück.

Deutschlands größte Brauerei wird nun noch größer. Durch Fusion soll ihr die Germania-Brauerei F. Dieninghoff AG, Münster, als Betriebsabteilung einverleibt werden. Um etwa 500 000 Hektoliter wird sich dann der Ausstoß der Dortmunder Union erhöhen. Auf der Hauptversammlung wird vorgeschlagen, das Kapital um weitere 7 Mill. DM aufzustocken, damit den Aktionären der Germania-Brauerei ein Umtausch in Union-Aktien im Verhältnis 1:1 angeboten werden kann.

Die Ertragsentwicklung des Unternehmens entspricht im großen und ganzen dem Dividendenvorschlag der Verwaltung. Die DUB schüttet für das Geschäftsjahr 1962 wiederum 18 (18)% auf das Grundkapital von 30 Mill. DM aus. Dafür steht ein Reingewinn von wieder 5,55 Mill. DM zur Verfügung. Die bemerkenswert niedriger ausgewiesenen Steuern vom Einkommen, Ertrag und Vermögen in Höhe von 9,5 (14,9) Mill. DM finden hauptsächlich ihre Begründung darin, daß im Vorjahr ein hoher Buchgewinn zu versteuern war. Löhne und Gehälter stiegen auf 17,4 (15,3) und Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe auf 35,8 (34,2) Mill. DM. Aufwendungen aus Übernahme vertragen entstanden in Höhe von 0,68 (1,1) Mill. DM durch Verluste bei der Dortmunder Hotelgesellschaft mbH, Dortmund, und der Landskroner Getränke GmbH, Bad Neuenahr. Leicht angestiegen sind dagegen die Erträge aus Gewinnabführungsverträgen – sie betreffen die drei Tochterbrauereien – auf 1,16 (0,89) Mill. DM, während die Beteiligungserträge mit 0,88 (1,05) Mill. DM nicht ganz das Niveau des Vorjahres erreicht haben.

In der Hauptversammlung wird die Verwaltung der Dortmunder Union ihren Aktionären noch ein besonderes „Geschenk“ anbieten: es sollen Gratis-Aktien über 6 Mill. DM ausgegeben werden. Die vorgesehene Kapitalberichtigung auf 36 Mill. DM soll aus der gesetzlichen Rücklage vorgenommen werden; die jungen Aktien sind ab 1. Januar 1963 gewinnberechtigt.

Ingrid Neumann