R. B., Berlin

Die Behörden in Ostberlin entschlossen sich dieser Tage, die Mauer zu vervollständigen und das bisher bestehende Loch auf der Straße von Westberlin nach der Exklave Steinstücken zu stopfen. Sie machten das nach bekanntem Muster: Ein Slalom mit Durchfahrtslücken in den üblichen Abständen. Nur bedachten sie nicht, daß hier der Weg von Westberlin nach Westberlin geht und daß für Steinstücken die Feuerwehr von Zehlendorf zuständig ist. Und die Zisternenwagen der Feuerwehr sind breiter als die üblichen Lkw. Das war die Panne von Ost.

Die Panne von West bestand darin, in dem Vorgehen Ostberlins ein neues Attentat gegen die 178 Einwohner der Exklave zu erblicken. Man schlug laut Alarm. Die amerikanischen Nachrichtenagenturen schickten meterlange Berichte über die Fernschreiber. Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Dr. Rainer Bardel, eilte sogleich an den Ort der Tat und ließ sich berichten – wie es einem Minister geziemt. Der „Berliner Morgenpost“ gewährte er ein exklusives Interview und, gewohnt, die Maßnahmen des Ostens als unabänderlich anzusehen, schlug er vor, die Bewohner der Exklave mit zahlreichen Feuerlöschern zu beschenken. Gefragt, ob Ulbricht mit seinem neuen Angriff auf Steinstücken wohl auf eigene Faust gehandelt hätte, verkündete der Minister: „Ulbricht kann sich das Steinstückener Vorgehen nicht erlauben, ohne Zustimmung Chruschtschows.“

Die Volkspolizisten, die auf dem Waldweg die gewohnten, aber diesmal falschen Maßstäbe anlegten, haben inzwischen ihren Rüffel weg. Sie verbreiterten die Durchgänge um 80 Zentimeter.

Dem Senat gelang es, in dieser „Affäre“ der Lächerlichkeit zu entgehen. Er empfahl, von spektakulären Kundgebungen abzusehen ...