Von Martin Beheim-Schwarzbach

Seit der neunzehnten Partie war es ausgemacht, daß der neue Weltmeister im Schachspiel Tigran Petrosjan heißen würde; Botwinnik lieferte nur noch Rückzugsgefechte, und der Schluß des großangelegten Wettkampfes war eine Flaute. Wenn man die Leistungen Botwinniks bedenkt, die Fülle seiner künstlerischen, tiefdurchdachten Partien, die der Originalität seiner Vorgänger Lasker oder Aljechin ebenbürtig sind, den Stil und die Zahl seiner Turniersiege, so muß man das Niveau seines Treffens mit dem 33jährigen Armenier als enttäuschend empfinden.

Ebenso wie in seinem ersten Match gegen Tal, das er verlor, spielte Botwinnik auch diesmal weit unter seiner früheren Stärke.

Die Einstellung und Methode, die da anzuwenden wäre, war dem Titelverteidiger nicht klar. Er schwankte, und das war das Verkehrteste. Petrosjan hat das bessere Schach gezeigt, mindestens in drei Partien, und das hat genügt. Dabei begann der Kampf mit einer Farce: in der allerersten Partie lieferte Petrosjan etwas, was man ein Minimum seines Könnens nennen muß, und wurde glatt überspielt. Aber das focht ihn nicht an, und nach einer Reihe von drei Remisen gelang ihm die Revanche, jetzt aber in großartigem Stil. Die fünfte Partie wurde die beste des Zweikampfes.

Trotz einiger beachtlicher Partien (der 3., 18., 19. und vor allem der 5.) war das Niveau nicht entfernt mit der künstlerischen Höhe und dem kombinatorischen Reiz vieler Kämpfe Laskers oder Aljechins zu vergleichen. Dies korrespondiert mit der Tatsache, daß der neue Weltmeister kein Kaiser mehr ist, wie es Botwinnik noch war, sondern einer unter Ebenbürtigen, zu denen in vorderster Reihe Keres, Fischer und Tal zählen, abgesehen von Botwinnik, bei dem auch diesmal ein Comeback, es wäre sein drittes, noch denkbar ist.

Die fünfte Partie:

Weiß: Petrosjan Schwarz: Botwinnik