Abenteuer im Lande Sallals – Amerikaner ernten keinen Dank

Von Marion Gräfin Dönhoff

Sana, im Mai

Das Visum für den Jemen erhalte man ohne Schwierigkeit in Aden – so war mir versichert worden. Es schien kaum glaublich. Jahrelang hatte ich vergeblich versucht, eine Einreisegenehmigung für dieses Land zu bekommen. Der Imam, der Herrscher des Jemen, dessen Geschlecht sich in direkter Abstammung vom Propheten Mohammed herleitet, sah Fremde höchst ungern. Darum war das Visa-Gesuch stets abschlägig beschieden worden, allerdings liebenswürdig verbrämt mit der Begründung, es gäbe leider keine Hotels im Lande, sondern nur des Königs Gästehäuser, aber die ständen ausschließlich den Gästen des Imam zur Verfügung.

Als der alte Imam Achmed im September 1962 starb, brach eine Woche später die Revolution aus. Sein Sohn, Kronprinz Mohammed El Badr, der nur sieben Tage regiert hatte, müßte fliehen und Sallal, der Chef seiner Leibgarde und Anführer der revoltierenden Offiziere, übernahm die Macht. Freilich mußte er zunächst mit Hilfe einer rasch herantransportierten ägyptischen Armee, die auf etwa 25 000 Mann geschätzt wird, monatelang um sie kämpfen.

Eine Zeitwende

Von einer Revolution zu sprechen, ist eigentlich irreführend. Es handelt sich nämlich nicht um eine Gruppe entschlossener Männer mit einer ganz bestimmten politischen oder sozialen Konzeption. Es handelte sich wohl mehr darum, daß die Uhr eines mittelalterlichen, von vielen gehaßten Systems abgelaufen war und ein paar Offiziere Rache für erduldete Demütigungen nahmen.