Diesen Geweihleuchter hat Albrecht Dürer für die Regimentsstube im Nürnberger Rathaus entworfen. Die kerzentragende Meermaid ist das hübscheste Mädchen, das der Meister gezeichnet hat, und ein Beweis für seine weniger bekannte nebenberufliche Tätigkeit als „Designer“. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Dürers „Lüsterweibchen“ fabrikmäßig hergestellt als stilechte Leuchte für altdeutsche Stuben. Die mit Wasserfarbe ausgetuschte Federzeichnung (im Wesenberg-Museum zu Konstanz) ist eine von 250 Abbildungen zum Thema „Schöne Lampen, Leuchter und Laternen“. Unter diesem (frei nach Ceram stabgereimten) Titel hat Frau Dr. Sigrid Wechssler-Kümmel vom Kurpfälzischen Museum Heidelberg die erste deutsche Monographie über die Geschichte der Lampe geschrieben, von der Antike bis zur Gegenwart. Man liest ihr Buch mit ganz ungewöhnlichem und nachdenklichem Vergnügen, man bekommt Bewunderung und Respekt vor dem gründlich abgehandelten Gegenstand, vor der lebensfreundlichen Funktion der Lampe, die den Tag des Menschen verlängert, vor ihrem ehrwürdigen Alter. Aristophanes Wird zitiert: „Lichtauge du der lehmgeborenen Lampe, Hier aufgehängt, um weitumher zu strahlen. Beim Schwung des Rades geformt von Töpferhand“. Auch der biblische Leuchter wird herangezogen, der im 2. Buch Mosis im 37. Kapitel ausführlich beschrieben ist: aus feinem, getriebenem Gold, siebenarmig mit Lichtschneuzen und Löschnäpfen. Im Bild sieht man die ältesten Öllampen, aus dem 3. Jahrtausend, die in Ägypten gefunden wurden. Das Mittelalter entwickelt in Kirchenleuchten und profanen Lampen eine Vielzahl von Typen. Das Rokoko bringt den zierlichen Porzellanleuchter. Ein Sonderkapitel orientiert den Sammler über Kauf und Pflege alter Lampen und versucht, ihn wenigstens vor groben Fälschungen antiker Öllampen und romanischer Altarleuchter zu bewahren. (Das Buch erschien in der Kayserschen Verlagsbuchhandlung, Heidelberg und München; 440 S., 34,80 DM.)

Gottfried Sello