SENDER FREIES BERLIN

Samstag,25. Mai, die Kabarettsendung:

Dazu braucht man nicht viel Phantasie", singen sie – und richten sich auch danach. Jede zweite Woche bietet die "kabarettistische Skatrunde" des Berliner Mäcki-Trios gereimte Zeitkritik unter Verwendung einer Überzahl von Schlagermelodien – fast für jede Verszeile eine andere alte Schnulze. Vermutlich meinen sie, solche Inflation von Populär-Musik allein verbürge schon den Witz – denn der Text gibt ihn sicherlich nicht her. Niveau: Frontstadttheater.

Bei uns ist alles schön: Cooper ("Und die Amis sind vor Freude aus dem Häuschen"), Erhard "Obwohl der Konny unkte, der Dicke sammelt Punkte"), Jedermanns Wahlsieg in Niedersachsen("Ging es wieder aufwärts und glatt" und "Splitter raus"), NATO-Konferenz in Ottawa ("Selbst de Gaulle ging mit"). Im Osten dagegen herrscht selbst im Juni sibirische Kälte: Ulbricht ("keine Kohlen"), Chruschtschow ("protestiert gegen eine freie Welt").

Kritik wird allenfalls geübt, wenn der Bundespräsident sie soeben – beim Wasserkongreß – sanktionierte ("Wasser soll man nutzen und nicht mehr verschmutzen"), wenn sie Minderjährige trifft (Klage, daß der "Vatertag" zum "Kindergartentag" geworden ist), jedenfalls aber, wenn es sich um Aufweichler handelt ("Ne Reise nach Moskau hat immer noch Reiz – für Herrn Beitz"). Im übrigen haben die Kabarettisten zu einem halben Monat bundesdeutschen Tagesgeschehens nichts zu sagen.

"Da hilft auch kein Spiel mehr, die Welt weiß Bescheid, dafür daß es Spaß war, geht’s längst schon zu weit. Otto Köhler