Leser wissen davon zu wenig, Verleger wollen es oft nicht glauben: Eine recht verläßliche Auswahl aus der Jahresproduktion treffen die Rezensenten allein durch ihre Wünsche. Da gibt es – als äußerste Gegensätze – viele Bücher, für die ist einfach kein guter Rezensent zu finden, und da gibt es in jedem Jahr ein paar, ganz wenige, über die wollen alle Mitarbeiter einer Zeitung gern schreiben. Da es wirklich; nur sehr wenige solcher Bücher gibt (kaum einmal mehr als fünf im Jahr) ist eigentlich nicht recht einzusehen, warum so viel kompetente Meinung, die sich äußern will, unterdrückt werden sollte – und warum diese offenbar ungewöhnlich interessanten Werke nicht auch ungewöhnliche Behandlung erfahren sollten. Wir wollen versuchen, solche Bücher, die von allen Rezensenten begehrt werden, immer einmal wieder auch von mehreren Rezensenten besprechen zu lassen. Dadurch soll erstens dem Buch der Respekt erwiesen werden, der ihm offenbar gebührt; dadurch soll zweitens dem Informationsbedürfnis jener Leser, die es nicht am besten finden, wenn sie nur einen hören, Rechnung getragen werden; und dadurch soll drittens das Geschmacksurteil, das sich allen Philosophen zum Trotz so gern absolut setzt, heilsam relativiert werden. Heinrich Bölls neuer Roman gehört zweifellos zu den hier gemeinten Büchern. Als Ergänzung zu Marcel Reich-Ranickis Besprechung in der ZEIT vom 10. Mai sei das Folgende verstanden – und als Anregung zu eigenem Urteil.