BERLIN (Galerie Nierendorf): „Rohlfs“

Von den großen Berliner Galerien der zwanziger Jahre ist heute nur noch die Galerie Nierendorf im Gange. Sie ist jetzt von Tempelhof in die City gezogen und eröffnet ihre neuen Räume in der Hardenbergsfraße 19, direkt am Bahnhof Zoo, mit Christian Rohlfs, der schon in der alten Zeit zusammen mit den „Brücke“-Malern und Nolde zu den Nierendorf-Favoriten gehörte. Ölbilder, Aquarelle und Graphik, im ganzen über 70 Arbeiten, eine sehr gute Auswahl, vieles kommt aus dem Nachlaß. Es beginnt bei den ekstatischen Landschaften und Figurenbildern um 1905, als Rohlfs zum erstenmal van Gogh gesehen hatte und sich von seinem behutsamen Impressionismus lossagte. Die Auswahl endet bei den traumhaft schönen Aquarellen, die der 89jährige 1937 in Ascona gemalt hat, weiße Lotosblüten, ein Schimmer von Silber und Grün auf einer vibrierenden Fläche. Man sieht auch einige seiner braunen und blauen Architekturbilder, diese seltsam entmaterialisierten Spiegelungen realer Bauernhäuser und Kirchen. Aber auch die andere, expressive, dramatische Linie geht bis in die dreißiger Jahre weiter, mit den in farbige Streifen und Zacken aufgelösten Landschaften und mit der Graphik, den hart und robust konturierten Holzschnitten. Bei wenigen Malern seines Ranges gibt es heute noch so viel zu entdecken. Die Ausstellung endet am 12. Juni. Am 15. Juni, seinem 25. Todestag, folgt Ernst Ludwig Kirchner.

BONN (Haus der Städtischen Kunstsammlungen);

„Kunst des 20. Jahrhunderts“

Die rund 150 ausgestellten Werke stammen aus Privatsammlungen in Bonn und Umgebung. Unter den 45 namentlich aufgeführten Leihgebem findet man keine prominenten Politiker (es wäre interessant, was die Minister an ihren Wänden hängen haben). Aber daß Bonn eine so breite Schicht von Sammlern und Liebhabern moderner Kunst aufzuweisen hat, ist die große Überraschung dieser Schau. Macke, der hier gelebt hat, und die andern Künstler seines Kreises sind großartig vertreten. Man sieht eines der schönsten Klee-Aquarelle („Haus zum blauen Stern“, 1920), Marc, Jawlensky, aber auch Kirchner, Schwitters, Rohlfs, weiter Arbeiten von Berke, Faßender und Trier, die von dem „Afterer Kreis“ speziell gefördert und gesammelt wurden. Bei den Pariser Künstlern ist die Auswahl ganz unsystematisch, durch persönliche Sammlervorlieben bestimmt: Zeichnungen von Derain und von Cocteau, eine Bronze von Maillol, eine frühe Landschaft der Marie Laurencin. Unter den „Modernen“ finden sich extreme Gegensätze in Bonn zusammen: der „action painter“ Riopelle und der freundliche Sonntagsmaler Hector Trotin, der Konstruktivist Vasarely undKarel Appel, Vertreter der vitalità. Die Bonner Sammler sind, soweit das Ausland in Frage steht, vcrwiegend nach Frankreich orientiert. England, Italien, Amerika sind kaum vertreten. Die Ausstellung dauert bis Ende Juni. c. s.