K. H. Hamburg

Wenn es Sonntag wird in der Freien und Hansestadt Hamburg, haben sechs junge Damen Muße, über die politische Bedeutung des Volleyball-Spiels nachzudenken. Ihre roten Sporthöschen und weißen Hemden bleiben im Schrank. Ihr Sonntagshobby ist ihnen untersagt Denn, so mußten sie erfahren, Volleyball kann eine gefährliche Sache sein, die in den Fingerspitzen noch mehr Gefühl für die große Politik als für den Lederball verlangt.

Darüber denkt zusammen mit den junger. Damen auch der Sportreferent der Hamburger Universität nach. Es ist Asta-Referent Rohde, über dessen Schreibtisch im Studentenhaus ein. schwarz-rot-goldener Wimpel mit dem Hammer-und-Zirkel-Emblem hängt.

Das „Spalter-Fähnchen“ ist ein Souvenir aus Leipzig. In den ersten Tagen des Monats Mai hatte er die sechs jungen Damen als Volleyball-Team der Hamburger Universität zu einem Gastspiel in die Leipziger Messestadt geführt. Er setzte mit diesem Ausflug über die Zonengrenze die Forderung des Verbandes Deutschet Studentenschaften und des Hamburger Studentenparlaments nach Wiederherstellung sportlicher Kontakte mit den Kommilitonen in der Zone in die Tat um.

In Leipzig sei alles nach Rohdes Plan verlaufen – so teilten die Reisenden mit. Die Gastgeber hätten ihr Versprechen gehalten, mit den Hamburgerinnen keine politische Propaganda zu machen. Rohde habe seine Damen sogar „zurückgepfiffen“, als es sie zu einigen Leipziger Studenten auf den Tanzabend zog.

Dennoch sollte das Leipziger Abenteuer den Studentinnen das vorläufige Ende ihrer Volleyball-Karriere bringen. Als sie wieder in Hamburg eintrafen, erfuhren sie, daß der Hamburger Volleyball-Verband sie für alle Vereinsspiele gesperrt hatte.

Der Hinweis der so drakonisch gemaßregelten jungen Damen, daß sie nicht als Mitglieder ihres Vereins, sondern als Studentinnen der Hamburger Universität in Leipzig Ball gespielt hätten, nützte ihnen nichts. Es wurde ihnen erklärt, man könne sich auch ganz privat „verbandsschädigend“ verhalten. Und das hätten die Studentinnen mit ihrem Ausflug nach Leipzig getan.