Ferien, die nicht ganz bequem sind – Auf der Jacht schule in Glücksburg

Von Elmar Lang

Wenn Graf Luckner in seinem „Seeteufel“ schreibt, er habe sich, um Steuermann werden zu können, mit Navigation und Gezeitenkunde entsetzlich herumplagen müssen, so glaubt man ihm das unbesehen und fühlt sich angenehm, unterhalten. Wenn man dann aber eines Tages diesen Problemen selbst gegenübersteht, so ist das zunächst weniger unterhaltend, denn man sieht sich der Plage höchstpersönlich ausgeliefert. Denn der Besuch einer Jachtschule ist zwar eine Sache der freiwilligen Entscheidung, und es gibt viele Wassersportler, die noch nicht einmal von der Existenz einer derartigen Institution gehört haben.

Aber wen sie hat, den hat sie fest, die Jachtschule – sei es zu einem vierzehntägigen Navigationskurs, sei es zu einem regelrechten Segelkurs, der drei oder vier Wochen dauert und wo täglich gesegelt wird. Oder auch zu einem Seetörn, der ein gutes Dutzend seebeflissener Zivilisten für einige Wochen auf einer der größeren Schuljachten vereinigt. Man kann sich das nach dem Schulprogramm aussuchen, man kann in den Ferien auch seinen Sohn dorthin schicken – er muß allerdings wenigstens fünfzehn Jahre alt sein.

Die Beschäftigung mit Seitenpeilungen, Vier-Strich-Peilungen, mit Schiffsortbestimmungen, Funknavigation, Wegerecht, Seestraßenordnung, Seeschiffahrtstraßenordnung, Betonnung, Befeuerung, Wetterkunde, Lichterführung und Seemannschaft ist schließlich die Folge der Erkenntnis, daß man von diesen Dingen gern mehr wissen möchte oder müßte. Mit der Sportschifffahrt ist es wie mit dem Reiten: Dem einen genügt für den Urlaub ein gemütliches Querfeldeintraben, der andere will in die Geheimnisse der Hohen Schule eindringen. Und mit seinem Boot kann man Sonntagnachmittags-Kaffee-Fahrten so lange unternehmen, bis das langweilig wird. Dann stellt sich der Drang nach besseren Kenntnissen von selbst ein. Und da man mit diesen Kenntnissen als Sportschiffer kein Geld verdienen kann, wohl aber um so mehr auszugeben angeregt wird, so beurteilen nicht wenige ein solches Tun als Auswuchs einer recht beachtlichen Verdrehtheit.

Das ist halt so, und man muß das hinnehmen und die eigene profunde Unkenntnis durch unbeirrbares „Pauken“ langsam aufweichen. Zwei Wochen Denktraining, verbunden mit heftigem Auswendiglernen und mit zwei Tagen Prüfung für den B- oder C-Schein absorbieren den Seefahrtbeflissenen in solcher Weise, daß die mit der christlichen Seefahrt Hand in Haid gehende innere Freiheit sich lediglich auf das „Navigare necesse est“ konzentriert, obwohl sich unfern der Jachtschule eine weibliche Gynnastik-Institution beachtlichen Inhalts befindet: Hier ist also die Tugend nicht Mangel an Gelegenheit, sondern Mangel an Zeit.

Und da fragt man mich, was Glücksburg in Abwechslung und Unterhaltung biete, und ob ich auch ein paar Tips für Flensburg wüßte, denn, schließlich sei man ja auf Urlaub. Kinneis, seid ihr noch zu retten? Die Jachtschule steit rein zufällig in Glücksburg, könnte aber ebensogut auf einem einsamen Felsen auf Seelands Riff erbaut sein. Als ich dort paukte – es war in März –, hätte sie sogar in der Wüste Gobi stehen können, denn die Flensburger Förde wir mit einer dicken Eisschicht bedeckt und eignete sich bestenfalls zum Wandeln im Mondscheii. Und dafür ist Wüstensand genausogut.