Die Dackel Laura und Petrarca bellten entsetzlich. Papi kam aus Paris, und Papi brachte mit. Er sagte sofort: Da! Seidene Foulards, eines bedruckt, mit einem großen, braunen Pferd. Das andere mit dem Place Vendôme.

Dann holte er zwei große Papiertüten hervor: Aus der einen kullerten dunkelrosarote Kartoffeln. „Neue“, sagte Papi, „so was habt ihr hier nicht.“ In der anderen Tüte waren große, dicke Morcheln mit langen Stielen. „Frische“, sagte Papi und sprach endlich auch mit den Hunden, die nie aufgehört hatten zu bellen.

Neue Kartoffeln sind etwas wundervolles, und wenn sie dann noch aus Paris kommen...

Sie wurden gekocht und in der Schale auf den Tisch gebracht. So eine Kartoffel wird auf die Gabel gespießt; man zieht ihr mit dem Messer die Haut ab, bestreicht sie mit frischer Butter und ißt sie, Stückchen für Stückchen. Dazwischen gibt man etwas Käse daran; er sollte weich sein und nicht allzu aufdringlich im Geschmack, denn die neue Kartoffel muß gleichsam im Vordergrund der kulinarischen Bühne stehen.

Wir hatten Gervais, das ist ein ausgesprochen langweiliger Käse, wenn man ihn nicht präpariert. Dazu gehören ein wenig fein gehackter Schnittlauch oder etwas geriebene Zwiebel, Salz und Rosenpaprika, alles extra serviert, damit jeder nach seinem Belieben den Kartoffelschmaus behandeln kann. Quark empfiehlt sich natürlich auch. Wir hatten Milchkaffee zu diesem Essen, das ist sehr Zürcherisch und heißt „Herdöpfel mit Butter und Chäs“.

Einen Teil der rosaroten Kartoffeln machten wir anderntags à la Idaho. Idaho heißen, nach einer Stadt in Amerika, die größten Erdäpfel, aber die unseren waren klein und europäisch. Man schlitzt sie an der Breitseite auf, gibt Salz, Butter und Paprika in den Einschnitt und läßt sie auf einem gebutterten Blech, bei mittlerer Hitze, im Ofen weich werden. Kochdauer: fünfzehn bis zwanzig Minuten. Die Amerikaner verfahren mit ihren Idaho-Kartoffeln anders, und das ist das Originalrezept: Sie geben die gebackenen Kartoffeln – mit Schale versteht sich – auf den Tisch, schlitzen sie kräftig auf und geben Butter und saure Schlagsahne daran. Würzen mit Schnittlauch oder Paprika.

Dann kamen die Morcheln an die Reihe. Sie muß man gründlich waschen, denn es sind die schmutzigsten Pilze, die es gibt. In ihren zahllosen Runzeln und Falten sitzt Erde, und auch kleine Würmer lieben Morcheln heiß. Unsere Pariser Exemplare wurden kurz in Salzwasser abgekocht, dann noch einmal in kaltem Wasser abgespült. Sie wurden in vier bis fünf Teile geschnitten und in einer tiefen Kasserolle mit viel Butter gedämpft. Pfeffer und Salz dazu. Die Morcheln brauchen ungefähr eine halbe Stunde, um weich zu werden. Am Ende der Kochzeit gibt man Rahm hinzu und unbedingt einen Schuß Zitronensaft. In der Halbzeit des Kochens tut man ein Gläschen Weißwein hinein. Zum Anrichten wird noch etwas gehackte Petersilie darüber gestreut, damit alles hübsch aussieht.