Erschweren Deutschlands Frauen der heimischen Schuhindustrie das Leben? Oder bereiten umgekehrt die Hersteller den weiblichen Käufern Kummer? Eigentlich – so möchte man sagen – macht unsere Industrie es den Frauen leicht, sich alle Wünsche zu erfüllen. Jede modische Strömung, eine Unzahl von Farben – vom grellsten Grün bis zum rostigsten Rot – locken in prachtvollen Schaufenstern zum Kauf.

Liest man die Geschäftsberichte des mit Abstand größten deutschen und wohl auch europäischen Schuhproduzenten, der Salamander AG, Kornwestheim, wird man eines anderen belehrt. Heißt es da doch, daß (1961) nach der starken modischen Dynamik, die der Damenschuherzeugung immer neue Impulse gegeben habe, jetzt „nicht zuletzt die Uneinheitlichkeit der modischen Formen eine gewisse Kauf Zurückhaltung bei den Konsumenten mit sich gebracht hat“.

Also nicht verführt, sondern verwirrt werden die Frauen von der Neuheitensucht, mit der sich die Hersteller zu überbieten suchen. Die rasche Folge der Schuhmode hat das weibliche Geschlecht mode-müde werden lassen. Das zeigt jedenfalls der Rückgang der modischen Zusatzkäufe, mag auch das schlechte Wetter, der verregnete Sommer des letzten Jahres nicht ganz unschuldig an der Entwicklung sein. Schließlich scheint sich auch, was die Zuwachsraten betrifft, eine gewisse Marktsättigung abzuzeichnen, seitdem die Bundesrepublik nun nach England den höchsten Schuhverbrauch je Einwohner in Europa erreicht hat. Kein Wunder, daß der Preiswettbewerb sich bei den Damenschuhen erheblich verschärft hat, zumal gute modische Einfälle im „gehobenen Galanteriebereich“ – wie es so schön in der Fachsprache heißt – schnell „im breiten Konsumgenre aufgenommen“, um nicht zu sagen einfach nachgeahmt werden. Wodurch die modischen Einfälle ihre Exklusivität und damit ihren besonderen Wert verlieren.

Was soll ein großer Schuhhersteller wie die Salamander AG – die in mehr als zwanzig Werken mit insgesamt 15900 Beschäftigten weitgehend dezentralisiert arbeitet – bei derartigen Marktverhältnissen tun? Die Impulskäufe der weiblichen Kundschaft beeinflussen wollen, wo, es kaum die Ehemänner erreichen? Lesen wir, was das Unternehmen uns dazu zu sagen hat. „Das schwieriger gewordene modische Damenschuhgeschäft wird eine stärkere Betonung dadurch erhalten, daß wir unser Angebot auf eine breitere, dem verschärften Wettbewerb angepaßte Basis stellen“. Wie, wird nicht verraten. Vermutlich war das Sortiment im vergangenen Jahr zu eng, zu sehr auf eine Linie ausgerichtet, denn die Gesellschaft ist wohl auf Beständen sitzengeblieben, wie unser Blick in die Bilanz zeigen wird.

Ja, wenn es die soliden Herrenschuhe nicht gäbe! Bei allen Sorgen um die Fußbekleidung des zarten Geschlechts – der Verkaufsanteil für Herren- und auch Kinderschuhe ist gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Nicht nur Wetter und Konsumentenverhalten, auch die zunehmenden Importe – sie erreichten 1962 einen Anteil von etwa 17 % (im Vorjahr 12 %) der mengenmäßigen Inlandsproduktion – haben zum verschärften Wettbewerb beigetragen, der das Unternehmen zu sagen veranlaßt: „Im Vergleich zu früheren Jahren war 1962 hart und schwierig“.

Der Umsatz stieg bei der Salamander AG nur noch um 4 % (nach 10 %) auf 351 Mill. DM, im Gesamtkonzern dagegen um 5,8 (9,8) % auf 529 Mill. DM. Beeinträchtigt wurden die Verkäufe durch die vorübergehende Schließung einiger der 59 eigenen Verkaufsstellen, die umgebaut und modernisiert wurden (Umsatzeinbuße 3.5 %). Dafür setzten die vertraglich gebundenen 1541 Alleinverkäufer, die etwa zwei Drittel des Schuhabsatzes auf sich vereinigen – 10,6 % mehr um.