Die ersten mit einem Benzinmotor getriebenen Fahrzeuge (wie der "Victoria" Wagen von Carl Benz aus dem Jahre 1893) waren Nachahmungen klassischer Kutschen, ihnen fehlte freilich trotz guter Proportionen im einzelnen das Entscheidende: das Pferd. Der Motor war dort, wo die Kutschen frei und leicht endeten, als eine sargähnliche Kiste eingefügt, wie ein Gepäckstück, fremd und beziehungslos. Doch dieser Motörkasten enthielt die Grundform aller Automobile des folgenden Jahrhundertdrittels. Schon ein gutes Jahrzehnt später bestimmte die Kastenform völlig das Bild der damals modernsten Fahrzeuge. Ein Beispiel: der 1906 konstruierte "AdlerTourenwagen".

Er ist, mit Ausnahme der Räder, aus in sich geschlossenen Quadern und, Rechtecken zusammengesetzt: aus dem Unterbau für Treibstoff und Gepäck, dem immer noch verlegen kleinen Kühler, dem Wagenkasten, dem Dach, den Trittbrettern. Die schwarz hervorgehobenen Zierleisten betonen diese strikt rechtwinklige Wagenarchitektur, deren ideales Vorbild immer noch ein von Pferden gezogenes Vehikel ist, der Pferdeomnibus. Zwanzig Jahre lang begnügte man sich nun damit, rechtwinklige Einzelformen einfach additiv zusammenzufügen.

Das erste Automobil, das ganz anders aussah, war die Horch Achtzylinder Limousine des Jahres 1927. Sie hatte im Gegensatz zu allem, was vorangegangen war, eine ästhetisch selbständigeGesamtform und noch mehr: alle Details waren dieser Form genau angepaßt. Das war nach den vier Jahrzehnten von 1886 bis 1926 etwas gänzlich Neues: Zum erstenmal beherrscht eine selbständige Konzeption die technisch funktionale Anordnung; zum erstenmal wurden Kutschen oder Pferdedroschken nicht nachgeahmt.

Winkerverkleidungen, Türgriffe, Scharniere und ähnliche Details sind zurückhaltend knapp geformt; Räder und Kotflügel, Scheinwerfer und Kühler, Wagenkasten und Trittbretter dagegen wurden selbständig geprägt und proportional zueinander und zum Wagenkasten in Beziehung gesetzt.

Die Farbgebung bekräftigt diese Tendenz noch; sie läßt die ohnehin unauffälligen Einzelheiten noch mehr zurücktreten und betont die großen Formen. Sie bindet verschiedene Karosserieteile in der Horizontalen zusammen, so ähnlich, wie es bei manchen Bauwerken der "Neuen Sachlichkeit" geschieht. Das seitliche Fensterband des Autos könnte in der Tat einem Bauwerk Mies van der Rohes entnommen sein. Doch auch andere Eigenschaften der Horch Karosserie sind der Architektur gerade dieses Bauhausmeisters verwandt, und das sind: die solide Ausführung, die Eleganz des Materials, die Sorgfalt in allen Details und besonders eine nahezu klassizistische Proportionsgeometrie, die auch ein traditionelles Element der Miesschen Architektur wie der Horch Karosserie enthält: Sie verbindet Mies mit Schinkel, den Horch Wagen mit den Staatskaiossen aus der Zeit Ludwigs XVI.

Daß sich die Durchmesser der Räder zur Hohe des Automobils und die Länge des Kühlers zur Die ersten mit einem Benzinmotor getriebenen Fahrzeuge (wie der "Victoria" Wagen von Carl Benz aus dem Jahre 1893) waren Nachahmungen klassischer Kutschen. Ihnen fehlte freilich trotz guter Proportionen im einzelnen das Entscheidende: das Pferd. Der Motor war dort, wo die Kutschen frei und leicht endeten, als eine sargähnliche Kiste eingefügt, wie ein Gepäckstück, fremd und beziehungslos. Doch dieser Motörkasten enthielt die Grundform aller Automobile des folgenden Jahrhundertdrittels. Schon ein gutes Jahrzehnt später bestimmte die Kastenform völlig das Bild der damals modernsten Fahrzeuge. Ein Beispiel: der 1906 konstruierte "AdlerTourenwagen".

Er ist, mit Ausnahme der Räder, aus in sich geschlossenen Quadern und. Rechtecken zusammengesetzt: aus dem Unterbau für Treibstoff und Gepäck, dem immer noch verlegen kleinen Kühler, dem Wagenkasten, dem Dach, den Trittbrettern. Die schwarz hervorgehobenen Zierleisten betonen diese strikt rechtwinklige Wagenarchitektur, deren ideales Vorbild immer noch ein von Pferden gezogenes Vehikel ist, der Pferdeomnibus. Zwanzig Jahre lang begnügte man sich nun damit, rechtwinklige Einzelformen einfach additiv zusammenzufügen.