BREMEN (Kammerspiele):

„Jedem seine eigene Wildnis“ von Doris Lessing

Dieses erste Schauspiel der heute 43jährigen englischen Bestseller-Erzählerin wurde 1958 im Londoner Royal Court Theatre uraufgeführt. Mit dem Kreis der „zornigen“ jungen Leute um John Osborne ist es thematisch verwandt. Der Betriebsamkeit politischer Idealisten, in diesem Falle sozialistischer Weltbeglückung und Frauendemonstrationen gegen die H-Bombe, schreit der 22jährige Tony entgegen: „Ich will in Ruhe gelassen werden ... Oh, diese endlose Reihe von Märtyrern, die singend zu Scheiterhaufen, Daumenschrauben und Exekutionsmauer marschiert sind!“ Und ein junges Mädchen: „Was haben sie denn dagegen, wenn man in Sicherheit und wie ein normaler Mensch leben will?“ Tonys komiteefreudige Mutter, die außerdem ein kräftiges Liebesleben mit wechselnden Partnern führt, hat für ihren Sohn nur die verächtliche Bemerkung: „Du verdammter, kleiner Spießer.“ Seit 15 Jahren klammert er, der den Vater unter Bombentrümmern verlor, sich an das Mutterhaus. Just dieses ist nun verkauft worden, damit der Sohn, der zu Hause bleiben möchte, mit dem Erlös ein von der Mutter unabhängiges Leben beginnen soll. Trotz dieses zeittypischen Jugendthemas erweist sich das Politische in Doris Lessings Schauspiel lediglich als Farbe in einem Gesellschaftsstück. Seine Substanz ist Psychologie. Eine dramatische, tragisch zugespitze Antithese wird als Mutter-Sohn-Konflikt herausgearbeitet und, nachdem die Bühnenspannung verbraucht ist, wieder abgebrochen. Bei der deutschen Erstaufführung war das Hauptpaar vorzüglich besetzt mit Katharina Tüschen und Peter Hallwachs. Der Gastregisseur Peter Palitzsch peilte intensiv, aber einseitig die Generationstragik an. Darüber kam das Salonstück zu kurz, in dem kreuz und quer geliebt wird. Offiziell benehmen sich Damen bei Doris Lessing jedoch wie Damen, was dem ideenfreudigen Regisseur entgangen war. Die Premiere hatte starken Publikumserfolg.

GELSENKIRCHEN (Städtische Bühnen):

„Unser Bungalow“ von Michael Mansfeld

Von dem 41jährigen deutschen Autor ist „Einer von uns“ über mehrere Bühnen gegangen. In seinem neuen Stück wollte Mansfeld anscheinend „die Gefährlichkeit der gegenwärtigen Lage kennzeichnen, wo tatsächlich irgendein unglückseliger Zufall den großen (Atom-)Schlag auslösen kann“. Aber nach der Kritik, von Hellmuth Karasek (Deutsche Zeitung) „geben die Handvoll Leute, die da den Weltenbrand in einem atomsicheren Keller... erleben, zwar ab und an brave Ansichten von sich, den Rest der Zeit jedoch spielen sie einen Reißer mit crime, sex und Alkohol“. Die Uraufführung wurde von Bert Ledwoch inszeniert. Jac