Es wird immer schwerer, die Geschäftstätigkeiten der sogenannten öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute von denen der privatrechtlich organisierten Banken zu unterscheiden. Das gilt insbesondere für die zwölf regionalen Landesbanken und Girozentralen, die früher fast ausschließlich den Kreditwünschen der öffentlichen Hand und als Geldausgleichsstellen der ihnen angeschlossenen Sparkassen dienten.

Heute folgen sie ebenso wie alle anderen Institute der Entwicklung zur Universalbank. Private Kreditnehmer werden immer mehr umworben und die Geschäftspolitik darauf abgestellt. Damit sollen nicht zuletzt Ausgleichsmöglichkeiten für den Fall geschaffen werden, daß das Geschäft mit den Kreditinstituten, wie beispielsweise im vergangenen Jahr bei der verminderten Liquidität der Sparkassen, rückläufig ist oder der „öffentliche Kredit“ einmal stagniert.

Besonders deutlich wird dieses Bestreben bei den beiden Girozentralen, die dieser Tage ihren Abschluß vorgelegt haben.

Bei der Badische Kommunale Landesbank – sie nennt sich öffentliche Bank, obwohl alle Banken öffentlich sind – wuchs die Bilanzsumme kräftig um 18,7 % oder 388 Mill. DM. Das Wechseldiskontgeschäft als typisches Privatgeschäft nahm um 24 % auf 725 Mill. DM zu. Auch die Teilzahlungskredite und der Bestand der kurz- und mittelfristigen Kredite an private Schuldner erhöhten sich mit 13 % beträchtlich auf 275 Mill. DM. Selbst im um 20 % auf 1,28 Mill. DM erweiterten langfristigen Geschäft, das sich in Ausleihungen gegen Grundpfandrechte, gegen Kommunaldeckung und in sonstige Darlehen aufgliedert, lagen Kredite an die private Kundschaft mit einem Wachstum um 88 auf 376 Mill. DM an der Spitze, gefolgt von der Zunahme der kommunalgedeckten Darlehen um 79 auf 580, und der Hypotheken um 55 auf 284 Mill. DM. Rechnet man alle Kredite an öffentliche Stellen zusammen, so erreichen diese bei der Bank nun noch 42 % aller Ausleihungen.

„Sehr zufriedenstellend“ war der Gewinn von 8,5 Mill. DM, der trotz der um 19 % erhöhten Geschäfts- und Verwaltungskosten (das Personal nahm um 44 auf 835 zu) erzielt wurde. Er erlaubt nach einer satzungsmäßigen Verzinsung von 6 % auf das Kapital eine Dotierung der Rücklagen um 7,3 Mill. DM, so daß der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme nunmehr 2,44 % beträgt.

Die Landesbank für Westfalen Girozentrale, Münster, war, was die Ausdehnung der Bilanz betrifft, nicht so erfolgreich wie das badische Schwesterinstitut; sie – nahm um 9,6 % auf 5,18 Mrd. DM relativ nur halb so kräftig zu wie im Vorjahr. Das Wachstum war fast ausschließlich vom langfristigen Geschäft getragen. Denn im kurzfristigen Bereich hatte die verminderte Liquidität der angeschlossenen Sparkassen eine Abnahme der Einlagen um 109 Mill. DM zur Folge, die durch die Zunahme der sonstigen Einlagen um 104 Mill. nicht ganz kompensiert werden konnte.

Dafür stiegen die langfristigen Ausleihungen doppelt so stark wie im Vorjahr, nämlich um 0,4 auf 2,59 Mrd. DM. Die in der Bankbilanz so nichtssagend bezeichneten „Sonstigen“ Darlehen, hinter denen sich private Kredite an Industrie, Handel und Gewerbe verbergen, sicherten sich davon allein 112 Mill. DM. Nunmehr sind langfristig 640 Mill. DM an Versorgungsbetriebe, Unternehmen der chemischen Industrie, des Ruhrkohlenbergbaus, der Schwerindustrie und sonstige Betriebe der gewerblichen Wirtschaft – unter denen auch der Mittelstand stark vertreten ist – ausgeliehen, eine Summe, die nicht geringer ist als die langfristigen Kredite der weitaus größeren Deutschen Bank.