Bonn, Ende Mai

Der Streit, den die äußerste Linke wie die äußerste Rechte in Israel um die Reise des Bundestagsabgeordneten Strauß in ihr Land entfachten, hätte sich vermutlich, wenn auch nicht vermeiden, so doch abkürzen lassen, wenn Strauß über den Besuch ebenso geschwiegen hätte, wie es die Israelis taten. Nachdem der Lärm nun einmal ausgebrochen war, scheute ihn Ben Gurion nicht, denn er hat einen harten Kopf und ist nicht gewillt, sich vorschreiben zu lassen, wer als Gast eines Regierungsmitglieds nach Israel einreisen darf und wer nicht. Zwar kommt die Einladung nicht von ihm, sondern von dem stellvertretenden Verteidigungsminister Perez‚ aber der tat es natürlich nicht ohne die Zustimmung des Regierungschefs. Gerade diesem am Zeuge zu flicken, ist die Absicht der untereinander verfeindeten Extremisten.

Daß Strauß, solange er noch amtierender Minister war (damals erhielt er die erste Einladung), nicht in ein Land reisen wollte, mit dem die Bundesrepublik keine diplomatischen Beziehungen unterhält, versteht man. Später, nachdem er nicht mehr in der Ermekeilkaserne saß, wurde die Einladung wiederholt, und nun, als Abgeordneter ohne Ministerrang, befand er sich in einer formell anderen Situation.

Gewiß ist auch den Opponenten in Israel bekannt, daß Strauß zu einer Generation gehört, die man nicht für das Emporkommen des Diktators verantwortlich machen kann, und daß er zudem aus einer Familie stammt, der Hitler und sein Regime von vornherein verhaßt waren. Strauß hatte recht, daß er fuhr. Nur hätte es stiller geschehen können. R. S.