In den Tagen der sozialpolitischen Auseinandersetzung in Südwestdeutschland haben sich vor einigen Wochen viele Augen auf die Bank für Gemeinwirtschaft AG, Frankfurt (Main), die Hausbank der Gewerkschaften, gerichtet. Man glaubte damals, daß das Institut in größerem Umfange Mittel flüssigmachen müsse, weil die Gewerkschaften Guthaben abzögen, um Streikunterstützungen zahlen zu können. Das war eine laienhafte Vorstellung. Anläßlich der Vorlage des Geschäftsberichtes 1962 erklärte der Vorstandsvorsitzende Hesselbach erneut, daß die Gewerkschaften sich schon immer darüber im klaren waren, es empfehle sich nicht, die für Kampfmaßnahmen reservierten Gelder beim eigenen Institut unterzubringen.

Deshalb seien die „heißen Gelder“ der Gewerkschaften im gesamten Geschäftsbankenapparat angelegt, wo sie sich herausziehen lassen, ohne daß dies die Gesamtliquidität merklich beeinflußt. In der fraglichen Zeit hätte nicht einmal eine Vorstandssitzung stattgefunden.

Die Sparguthaben sind bei der Gemeinwirtschaftsbank mit einem Zuwachs von 7,5% auf 185 Mill. DM nur langsam gestiegen, obwohl sich das Institut bei der Forcierung des Spargeschäftes erhebliche Mühe gab. Die Konkurrenz der Sparkassen machte hier zu schaffen. Dagegen erhöhten sich die sonstigen Einlagen kräftig. Das gab dem Institut die Möglichkeit, die Nostroverpflichtungen, also die bei anderen Banken aufgenommenen Gelder, stärker abzubauen. Trotzdem konnte das Kreditvolumen erheblich ausgeweitet werden. Dabei entwickelten sich vor allem die Debitoren günstig, zumal es größere Verluste, von einem Fall abgesehen, nicht gegeben hat.

Auch das Hypothekengeschäft wird von der Bank gepflegt, wenn auch nur als Vermittler. Neue Möglichkeiten sollen jedoch dadurch geschaffen werden, daß die Bank sich an der vom Finanzmakler Münemann neugegründeten Allgemeinen Hypothekenbank, Köln, beteiligt.

Die Gewinnsituation war im abgelaufenen Geschäftsjahr 1962 für das Institut im allgemeinen günstig. Die Bank verdiente nicht nur die erhöhten Unkosten, Abschreibungen und Wertberichtigungen, sondern konnte auch der offenen Rücklage noch 5 Mill. DM zuweisen. Auch die stillen Reserven wurden in „angemessener Weise“ aus versteuerten Gewinnen dotiert. Auf das um 10 auf 85 Mill. DM erhöhte Aktienkapital wird in diesem Jahr wieder eine Dividende von 6 % und einen Bonus von 4 % bezahlt.