Die Genfer GATT-Konferenz gibt ein Startzeichen / Von. F. Köver

In Genf tagten vom 16. bis zum 21. Mai die Minister aus 75 Ländern; sie waren dem Ruf einer der größten, weltweiten Organisation gefolgt, dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade – GATT). Zur Debatte standen die Anpassung der Zölle im Bereich der entwickelten Länder, also der westlichen Industriestaaten und die bevorzugte Behandlung tropischer Produkte aus Entwicklungsländern. Zwei sehr schwere Brocken, die erwartungsgemäß in „unpräparierter“ Form kaum zu schlucken waren. Von „außen“ gesehen wurde deshalb im Palast des einstigen Völkerbunds mit viel Geräusch wenig konkrete und nur auf lange Sicht wirksame Arbeit geleistet; in aller Stille aber wurde ein Schritt nach vorn getan. Ein Wendepunkt in der Wirtschaftspolitik der freien Welt zeichnet sich ab. Leise Hoffnungen – und das GATT hat bisher nur solche erweckt – knüpfen sich an die „Kennedy-Runde“, die ab Mai 1964 dem Welthandel neuen liberalen Geist einhauchen soll.

Im Jahre 1947 verhandelte man in Havanna über eine Charta des Welthandels. Sie wurde nie unterschrieben, weil in den USA der Kongreß das Abkommen niemals ratifiziert hätte. Es sollten nach diesem Vertrag allen Mitunterzeichnern gewisse Vorschriften für ihr Verhalten gemacht werden können. Damals waren aber die Vereinigten Staaten mit Abstand die größte unter den aktionsfähigen Handelsmächten; sie dachten deshalb nicht daran, sich etwa internationalen Erwägungen zu beugen.

Um im Welthandel dennoch eine Ordnung zu finden, schuf man an Stelle der Havanna-Charta als Provisorium das GATT. Es erhielt keine Befugnisse und kann keine Weisungen erteilen; es kann nur Diskussionen veranstalten, nach denen schließlich Ratschläge an die GATT-Regierungen ausgearbeitet werden. Das ist recht wenig, gemessen an den weitgesteckten Zielen der Havanna-Konferenz.

Und doch verzeichnet das GATT große Erfolge!

Wenn Professor Hallstein, der Präsident der EWG-Kommission, vor einigen Monaten von einer „kopernikanischen Wendung Amerikas zum Freihandel sprach, so mag man dafür nicht zuletzt die Bemühungen des GATT verantwortlich machen. Bleibt jetzt nur zu hoffen, daß sich die Weltgeschichte im Zeitablauf nicht sklavisch wiederholt. Kopernikus stellte nämlich seine Theorie gegen 1510 auf, die mathematische Auswertung nahm aber erst Kepler in den Jahren 1601 bis 1612 vor. Es vergingen also hundert Jahre vom ersten Gedanken bis zur umfassenden Theorie! Das GATT muß aber die handelspolitischen Gegensätze zwischen Amerika und Westeuropa rascher bereinigen können...

Elastische Theorie