Der Flug über den Nordatlantik wird künftig teurer und billiger zur gleichen Zeit. Teurer wird er für den Hin- und Rückflug (2052 DM für die Strecke London–New York, also 108 Mark mehr), weil die europäischen Luftfahrtgesellschaften sich von den höheren Einnahmen eine bessere Bilanz versprechen. Billiger wird er für die einfache Passage (1052 DM, also 28 Mark weniger), weil die Amerikaner in dem gerade beendeten Tarifkrieg ihr Gesicht wahren mußten.

Man kann daran zweifeln, ob es sinnvoll ist, bei halbleeren Flugzeugen die Preise heraufzusetzen. Den Amerikanern jedenfalls kam der Beschluß des Internationalen Luftverkehrsverbandes IATA die Rückflugermäßigung um die Hälfte zu kürzen, kaum gelegen, denn er paßte schlecht in ihre seit Monaten laufende Werbe kampagne für ein großes Touristenprogramm nach Europa.

Doch es ist unwahrscheinlich, daß es die Amerikaner wegen der europahungrigen Touristen auf jene Auseinandersetzung hätten ankommen lassen, die in einem geradezu dramatischen Auftritt des britischen Luftfahrtministers im Unterhaus gipfelte. Die amerikanischen Fluggesellschaften verstießen gegen britische Gesetze, sagte er emphatisch, und die britische Regierung werde ihnen die Landeerlaubnis entziehen, wenn sie sich nicht an die Bestimmungen hielten.

Mit diesen Bestimmungen war eben jener IATA-Beschluß gemeint, die Rückflugermäßigung von 10 % auf 5 % herabzusetzen. Alle Regierungen haben sich einverstanden erklärt, nur die amerikanische Luftfahrtbehörde empfahl den amerikanischen Gesellschaften, weiterhin die alten Tarife zu kassieren. Die Kanadier schlossen sich an. So kam es zu dem munteren Tohuwabohu in der ersten Maihälfte, bei dem der Fluggast einen Hundertmarkschein mehr oder weniger zahlte, je nachdem, bei welcher Gesellschaft er buchte, bis jetzt in Montreal der anfangs zitierte Kompromiß ausgehandelt wurde.

Um welche Summen es bei dieser Auseinandersetzung ging, wird klar, wenn man hört, daß bei der Deutschen Lufthansa für dieses Jahr fünf Millionen Mark auf dem Spiel standen, wenn der höhere Rückflugtarif nicht in Kraft getreten wäre.

Für die Amerikaner stand jedoch noch anderes als Geld auf dem Spiel. Bei ihnen ging es um Politik, um Innenpolitik und um internationale Verkehrspolitik. Am 24. April hat Präsident Kennedy die von einem Ausschuß ausgearbeiteten neuen Richtlinien für die US-Luftverkehrspolitik gebilligt. Darin wird unter anderem gefordert, der amerikanischen Luftfahrtbehörde, dem Civil Aviation Board (CAB), durch Gesetz die Ermächtigung zu geben, „die Tarife des internationalen Luftverkehrs nach und von den USA zu kontrollieren“.

Noch ist das CAB eine halbamtliche Einrichtung. Der Tarifstreit auf dem Nordatlantik dürfte ein willkommenes Argument sein, dem Kongreß klarzumachen, daß es durch Bundesgesetz eine stärkere Stellung bekommen und größere Befugnisse haben müsse.