Wenn ich nicht Jesus von Nazareth kennte, weil er mir in meinem Leben begegnet ist und weil ich das, was da geschah, durch das Zeugnis der Bibel immer wieder bestätigt gefunden habe, so wäre ich wahrscheinlich heute ein Atheist Denn unter dem „lieben Gott“ stellt sich der lediglich „religiöse“ Mensch irgendein Traumgebilde vor, während der wirkliche Gott für mich und damit der „Vater im Himmel“ tatsächlich nur dort zu finden ist, wo man dem Menschen Jesus von Nazareth begegnet.

Martin Niemöller

Mißglückter Balanceakt

Wolfgang Langhoff, seit 1946 Intendant des traditionsreichen Deutschen Theaters in der Ostberliner Schumannstraße, von der SED im Laufe der Jahre wiederholt kritisiert, seit einiger Zeit schwer krank, ist nun doch zum Ende dieser Spielzeit am 31. Juli abberufen worden – „mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand“, wie es heißt, und auf eigene Bitte. Sein Nachfolger wird der bisherige Intendant der Ostberliner Volksbühne, Professor Wolfgang Heinz, der 1948 das Wiener Neue Theater in der Scala gegründet und bis 1956 geleitet hat. – Gerüchte von Wolfgang Langhoffs bevorstehender Ablösung kursierten allerdings schon seit Monaten, genauer: seit sich der Zorn der SED-Funktionäre auf Peter Hacks’ im Deutschen Theater aufgeführtes Brikettdrama „Die Sorgen und die Macht“ entlud. Langhoff hatte damals einen Nervenzusammenbruch erlitten und zerknirscht und reuevoll Selbstkritik geübt: „Als Künstler stand ich eben in jener unbequemen Position auf der Leiter unseres Fortschritts – mit einem Bein auf der Sprosse der Erkenntnisse und Maßstäbe, die ich vom spätbürgerlichen Erbe übernommen hatte und die für uns nicht mehr brauchbar sind, mit dem anderen Bein auf der richtigen Sprosse, der des Bitterfelder Weges. Mit eurer Hilfe, Genossen, davon bin ich überzeugt, wird es mir gelingen, mit beiden Beinen auf der einzig richtigen Sprosse zu stehen.“

Ebert in Moskau

Kürzlich druckte die Moskauer „Literaturnaja gaseta“ Wolfgang Eberts satirischen Beitrag nach, den DIE ZEIT am 26. April unter der Überschrift „Zeitalter der Angst“ gebracht hatte. Das Verfahren ist darum fragwürdig, weil die russischen Leser wohl kaum die gesellschaftliche Situation richtig einzuschätzen vermögen, in der die Arbeit geschrieben wurde. Es kann leicht für bare Münze genommen werden, was zwar nicht erfunden wurde, was aber der Spott des Satirikers hochgespielt hat: Ebert schreibt nicht im Stil des sozialistischen Realismus.

Wie sie Deutschland sehen