Innerhalb von zehn Jahren ist die Anbaufläche um das Achtfache, der Subventionsaufwand aber auf das vierzehnfache gestiegen, ohne daß künftig mit einer Verlangsamung dieses rasanten Tempos gerechnet werden kann.

Hier stimmt doch offenbar etwas nicht! Spielt devisenwirtschaftlich ein Betrag, der sich auf Taustendstel des Außenhandels beläuft, überhaupt eine Rolle? Muß zudem eine Pflanze, die als ertragssteigernde Vorfrucht des schon subventionierten Weizens dient, auch ihrerseit noch subventioniert werden? Schließlich hatten der Bundeskanzler und sein damaliger Ernährungsminister, heutiger Bundespräsident, gegenüber den Bedenken des Bundesrates 1952 ausdrücklich versichert, der Rapsanbau solle nicht ausgedehnt, sondern auf solche Weizenhöfe beschränkt bleiben, für welche diese Fruchtfolge unbedingt notwendig sei.

Trotz dieser gewichtigen Bedenken scheint das Bundesernährungsministerium entschlossen, das Spiel mit dem Raps fortzusetzen. Und das nun sogar in noch größerem Stil. Da das Bundesernährungsministerium angesichts des im Bundestag bereits erkennbar gewordenen Widerstandes nicht länger auf eine Finanzierung der erforderlichen Beträge durch die Steuerzahler rechnen kann, soll nun auch der Verbraucher stärker herangezogen werden.

Der Beimischungszwang soll auf sämtliche von den Ölmühlen gewonnenen Speisefette und öle ausgedehnt werden. Nur wenn die Industrie dieser Regelung zustimme, wird dieser erklärt, werde der Bund 12 Mill. DM beisteuern. Die von der Industrie dann noch aufzubringenden rund 45 Mill. DM könnten die Ölmühlen und Margarineindustrie durch die Berechnung eines "Rapspfennigs" auf die Verbraucher abwälzen.

Das wären dann schon im ersten Jahr 4500 Millionen "Rapspfennige". Sie wären aufzubringen vornehmlich von einer Bevölkerungsschicht, die sich Butter bestenfalls am Sonntag leisten kann. Und sie würden vor allem in die Taschen der Bauern fließen, für die das "grüne Wirtschaftswunder" – auch das gibt es hier und da – mittlerweile Wirklichkeit geworden ist. Denn für den Rapsanbau sind mannigfache Kenntnisse und Erfahrungen sowie eine wendige Betriebsorganisation notwendig. Das macht ihn insbesondere für größere Höfe und mittlere Güter geeignet.

Auch die Ölmühlen und Margarinefabriken, die nicht konzerngebunden sind, werden durch diese Subventionspolitik in ihrer Existenz ernsthaft bedroht. Denn während die Subventionslast in raschem Tempo steigt, sinkt umgekehrt der Absatz der Waren, welche diese Last tragen. Daraus müßte sich zwangsläufig eine immer rascher fortschreitende Verteuerung der Margarine sowie der pflanzlichen Fette und Öle ergeben, was wiederum deren Absatz noch stärker drosseln und die Belastung je Kilogramm erneut erhöhen würde.

Die Geschichte von der Rapssubvention spricht für sich selber. Ein Kommentar ist wohl überflüssig.