Befördert

Ludwig Kattenstroh, der bisherige "Wirtschaftsberater" Adenauers, zögerte verständlicherweise nicht lange, als an ihn der Ruf erging, Staatssekretär im Bundesschatzministerium zu werden. Er unterbrach kurzerhand seinen Urlaub und sagte ja. Denn unter einem Bundeskanzler Erhard hätte er im Palais Schaumburg wohl kaum Leiter der Abteilung für Wirtschaft, Finanzen und Soziales bleiben können. Ebensowenig machte Professor Erhard Schwierigkeiten, Kattenstroth zu "befördern". Zwar hat sich Kattenstroth nach seiner Versetzung vom BWM ins Kanzleramt größerer Zurückhaltung befleißigt und nach außen alles peinlichst vermieden, was ihn in einen Gegensatz zum Bundeswirtschaftsminister hätte bringen können, aber den bekannten Spannungen zwischen Adenauer und Erhard konnte er sich dennoch nicht ganz entziehen. So gibt es in der engeren Umgebung Erhards nicht wenige, die Kattenstroth jene energiepolitischen Anklagebriefe zur Last legen, die Adenauer auf dem Höhepunkt der Nachfolgekrise schrieb und die damals viel böses Blut schafften. Auch jene Liste der wirtschaftspolitischen Versäumnisse, die Adenauer in der CDU-Fraktion zum besten gab, wird vielfach Kattenstroth in die Schuhe geschoben. Wohl zu Unrecht, denn eine solche Hintertreppenpolitik ist ihm wirklich nicht zuzutrauen. Lange Jahre gehörte Kattenstroth im Bundeswirtschaftsministerium zu den loyalsten Mitarbeitern Erhards. Nun werden in Bonn bereits Wetten abgeschlossen, ob BWM-Ministerialdirektor Dr. Langer seinen Chef in das Kanzlerpalais begleiten und dort die Nachfolge Kattenstroths antreten wird. Aber auch dessen Verhältnis zu Erhard soll in jüngster Zeit nicht mehr das allerbeste sein, so daß Bonner Auguren bereits zu berichten wußten, daß sich Langer nach "Europa" absetzen wolle. Sicher ist bisher nur, daß aus dem bisherigen Beraterteam Erhards Pressechef Hohmann im Kanzlerpalais Fuß fassen wird.

Zu teuer

Ein Hamburger Wohnungsunternehmen witterte im Bonner Ballungsraum Morgenluft und größere Geschäfte. In einer relativ guten Godesberger Lage baute es ein Dutzend Einfamilienhäuser – Kaufeigenheime –, die nun wie sauer Bier angeboten werden. Die Häuser sind in Kürze bezugsfertig, aber die Käufer lassen auf sich warten. Dabei sind die Kaufpreise gar nicht einmal als ungerechtfertigt oder gar als wucherisch zu bezeichnen; sie betragen für das schlüsselfertige Haus – Grund eingerechnet – 125 000 bis 170 000 DM, für Bonner Verhältnisse nicht zuviel. Aber wer kann das noch bezahlen? Bei diesen Preisen hört für den normalsterblichen Bundesbürger aller Spaß am eigenen Haus mit Garten schnell auf. Im Wohnungsbau ist in diesem Frühjahr das genehmigte Bauvolumen gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres denn auch bereits um 13 % zurückgegangen, was zu denken geben sollte. Kein Wunder, daß nun die Bausparkassen Zeter und Mordio schreien und mit harten Worten die gesetzgebenden Körperschaften in Bund, Ländern und Gemeinden anklagen, gegen das Steigen der Baukosten nicht genug getan zu haben. Trotz Baustoppgesetz stiegen die Preise tatsächlich munter weiter. Welchen Sinn die beabsichtigte Verlängerung dieses Gesetzes bis zum Jahresende haben soll, bleibt unerfindlich. "Augenwischerei" – sagen die einen, Beruhigung des eigenen Gewissens, "irgend etwas zu tun", die anderen. Und mittlerweile sorgt der Markt dafür, daß über den Preis die Nachfrage nach Bauleistungen zurückgeht. Eine solche "Nachfragedämpfung", liegt sie ganz im Sinne der "sozialverpflichteten" Bundesregierung?

Warten auf de Gaulle

Wenn man sich nicht einigt, kann man die Unterhaltung abbrechen – oder sie aufschieben. Das letztere geschah vergangene Woche im EWG-Ministerrat, als die Minister von fünf Staaten – mit dem deutschen Vizekanzler als Wortführer – sich mit den Franzosen nicht über ständige Kontakte mit Großbritannien verständigen konnten. Weil diese Kernfrage der europäischen Politik ungelöst blieb, kam auch das zweite EWG-Programm nicht zustande. Dort soll der zeitlich parallele Aufbau der gemeinsamen Steuer-, Sozial-, Verkehrs-, Energie- und Konjunkturpolitik in einem Arbeitskalender festgelegt werden. Auch neue agrarpolitische Beschlüsse sind noch niederzulegen. Wahrscheinlich dauert es noch bis Mitte Juli, ehe man die Lösung schafft. Bis dahin, so hofft mancher zaghaft, hat vielleicht der Besuch de Gaulles in Bonn den Deutschen Gelegenheit gegeben, sein politisches Interesse daran zu wecken, gegenüber so vielen Kritikern in der Welt den deutsch-französischen Vertrag zu "rehabilitieren". Es wäre schon etwas, wenn der General nach der ersten, vertragsgemäßen Konsultation den Englandkontakten wenigstens nichts mehr entgegensetzte. Seine Chance, dann mit Plänen für die politische Union der Europäer bei den abgeneigten Holländern und Belgiern etwas mehr Gehör zu finden, wäre dann größer.