Das italienische Theater lernt vom deutschen – und macht es manchmal besser

Von Johannes Jacobi

Wer von Mailand spricht und Theater meint, der denkt zunächst an "die Scala". Das Opernhaus Teatro alla Scala ist ein nicht nur für Italien repräsentativer Name. Es wurde zum Begriff, der in der Opernkunst Weltrang bezeichnet.

Seit sechzehn Jahren gibt es in Mailand jedoch auch die erste "stehende" (im Unterschied zur "wandernden") Schauspielbühne Italiens.

Bescheiden nennt sie sich Piccolo Teatro, "Kleines Theater"; Kammerspiele würde man in Deutschland sagen. Sie hat nur rund sechshundert, allerdings wie in der Scala rot gepolsterte, Sitzplätze.

Vorher wurde das Schauspiel in Italien ausschließlich von reisenden Truppen gepflegt. Sie bestanden (und bestehen noch) aus bestenfalls einem oder zwei Stars, die sich mit Zubringern von Stichworten umgeben.

Als Ensembletheater, als "Stadttheater" konnte sich 1947 das Piccolo Teatro etablieren, weil es – nach deutschem Vorbild und erstmals in der Geschichte des italienischen Schauspiels – Subventionen aus der öffentlichen Hand empfängt. Gegenwärtig beträgt der Zuschuß rund 850 000 DM im Jahr. Dazu stellt die Stadt Mailand das "spielfertige Haus". In Deutschland würde man es ein Behelfs-Theater nennen. Die Bühne ist nur sieben Meter tief.