Als die Schering AG, Berlin, einer der bedeutendsten Hersteller pharmazeutischer Präparate in Deutschland, im Frühjahr 1959 die Aktien der Chemischen Werke Bergkamen AG erwarb und im folgenden Jahr die neue Tochter "auf die Muttergesellschaft umwandelte", hatten die meisten Aktionäre wohl kaum eine Vorstellung von der Bedeutung dieser Transaktion. Das Unternehmen mußte sich die Ausdehnung auf den Tätigkeitsbereich der Industriechemikalien und Kunststoffe etwas kosten lassen. Runde 100 Millionen DM an Sachinvestitionen haben die Chemischen Werke in den drei Jahren schon erfordert, was bei einem Grundkapital der Schering AG von 105 Mill. DM sehr beachtlich ist. Kein Wunder, das das inzwischen den "Kinderschuhen entwachsene" Westfälische Werk die Finanzkraft der Mutter nicht wenig strapaziert hat.

Im Geschäftsjahr 1962 hat bei Schering ungeachtet des hohen und zuweilen nur unter Verlust aufrechterhaltenen Exportgeschäftes, vor allem bei den Pharmazeutika, die starke Expansion angehalten. Während der Wertumsatz der der gesamten deutschen Industrie um 5,5 % stieg, erlöste Schering einschließlich der hundertprozentigen Inlandstochter mit 249,7 Mill. DM elf Prozent mehr als im Vorjahr. Werden die hundertprozentigen Auslandstöchter in aller Welt einbezogen, so erhöhte sich der Konzernumsatz um 10 (Vorjahr 17) Prozent auf 272 Millionen DM.

Seit der Währungsreforn hat das Untenehmen sein Kapital nun bereits sechsmal zu günstigen Bedingungen von 22,4 auf jetzt 105 Mill.

DM erhöht. Um den hohen Investitionsbedarf zu decken, hat die Verwaltung 1962 mittelfristige Dollarkredite mit zwei bis vier Jahren Laufzeit, im Ge’genwert von 24,1 Mill. DM aufgenommen. Die finanzielle Anspannung bleibt also vorerst bestehen. Denn diese Verschuldung verlangt für Zinsen und Tilgung in den nächsten Jahren Beträge, die zwar niedriger als die diesmal auszuschüttende Summe von 15,75 (12,6) Millionen DM bei 15% Dividende ist, aber doch zu Buche schlagen. Dennoch ist die bewährte Schering-Verwaltung, da im laufenden Jahr der Umsatz in allen Geschäftssparten weiter gestiegen ist, auch für 1963 zuversichtlich.

G. G.