Drei Millionen Amerikaner produzieren Waffen

Von Thilo Koch (Washington)

Der Krieg ist der Vater aller Dinge, sagten die alten Griechen. Die modernen Amerikaner sagen das nicht. Dennoch hat der industrielle Fortschritt gerade in den USA und besonders seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges starke Impulse aus der gigantischen Rüstungsmaschinerie empfangen. Jeder zehnte arbeitende Amerikaner ist heute für die Verteidigung tätig – entweder innerhalb der Streitkräfte oder in der Industrie.

Das Pentagon wurde mit seinem derzeitigen Jahresetat von mehr als 50 Mrd. Dollar zum größten Arbeitgeber und Kunden unserer Zeit. Wer den kalten Krieg, der unsere weltpolitische Situation bestimmt, überstehen will, der muß jederzeit bereit sein, dem Ausbruch eines wirklichen Krieges mit adäquaten Waffen vorzubeugen oder notfalls zu begegnen. Die Rüstungslast, die die Großmächte infolgedessen zu tragen haben, wird immer schwerer. In den USA wandern etwa 10 % vom gesamten Volkseinkommen in die Verteidigung.

Der Weg des Steuerdollars vom Säckel des Finanzministers bis in die unterirdischen Silos der neuesten Raketen ist weit, kompliziert und manchmal sogar ein wenig dunkel. Immer wieder haben Untersuchungsausschüsse des Kongresses Veranlassung, in dieses Dunkel hineinzuleuchten. So mußte sich zum Beispiel der Aufsichtsratsvorsitzende einer großen Zulieferungsfirma der Rüstungsindustrie vor einiger Zeit wegen aufsehenerregender Profite verantworten. Dieser Vorsitzende, George Humphrey, war im Eisenhower-Kabinett einmal Finanzminister und trat gegenüber den untersuchenden Parlamentariern sehr selbstbewußt auf. Es kam zu recht scharfen Auseinandersetzungen mit dem Untersuchungsausschußvorsitzenden Senator McClellan. Humphrey sagte laut Senatsprotokoll: "Unser ganzes Geschäft bestand darin, daß wir der Regierung Lieferungen im Werte von 27 Mill. Dollar verkauften, an denen wir einen Reingewinn von 7,5 Mill. Dollar in 7 Jahren machten. Wenn das gewissenlose Profite sind, dann möchte ich wissen, wieso. Alles weitere ist ganz einfach Quatsch."

Die Vorwürfe richteten sich gegen die Hanna Company, sie habe Überschußprofite bei der Nickelreservehaltung gemacht, und einige ihrer Tochtergesellschaften seien bei Regierungsaufträgen zu Gewinnen bis zu 457 % gekommen. Es wurde auch behauptet, die Firma habe Unterlagen beseitigt, um Untersuchungen zu erschweren und sie habe beim Kauf einer Nickelschmelzanlage, die der Regierung gehörte, 17 Mill. Dollar verdient.

50 Staaten profitieren