Dies ist nur ein Fall von vielen. Es ist für die USA undenkbar, planwirtschaftliche Maßnahmen einzuführen. Selbst wenn der Staat der Auftraggeber ist, wird die Produktion nach den Prinzipien privatwirtschaftlichen Unternehmertums abgewickelt. Die Nachteile dieses Systems liegen auf der Hand, und man diskutiert sie öffentlich. Die Amerikaner glauben jedoch, daß die Vorteile überwiegen und sind bereit, die Fehler hinzunehmen.

So ist es eine Tatsache, daß an der Rüstung verdient wird, daß man in Amerika Geschäfte mit der Rüstung machen kann. Die Unregelmäßigkeit und die Unangemessenheit solcher Verdienste und Geschäfte ist das Problem. Der höchste Soldat der Vereinigten Staaten und acht Jahre lang ihr Präsident äußerte sich einmal sehr besorgt über die schwer zu kontrollierende Zusammenballung von militärischer und industrieller Macht. Eisenhower: "Die Möglichkeit eines verheerenden Aufstiegs unberufener Macht existiert und steigert sich. Niemals dürfen wir dulden, daß die Folgen einer Verbindung militärischer und industrieller Macht unsere Freiheiten und unsere demokratischen Regierungsformen in Gefahr bringen."

Alle 50 Staaten profitieren von den Rüstungsbetrieben. Das schnellste industrielle Rüstungswachstum hat Kalifornien. An der Ostküste, besonders in Neu-England, befinden sich seit jeher umfangreiche Produktionsstätten der großen Werke. Auch der Südwesten und Gebiete am Rande der Rocky Mountains entwickeln neue Rüstungsbetriebe. Die meisten großen Firmen, wie General Dynamics, Republic Aviation, Douglas, Lockheed, General Electric, Bell Telephone, Martin, produzierten in großem Umfange für den zivilen Bedarf, bevor sie immer stärker in die Rüstungsaufträge einstiegen. Boeing, zum Beispiel, baut die meisten zivilen Düsenflugzeuge, die im Weltluftverkehr fliegen; Boeing ist aber zugleich auch Produzent militärischer Flugkörp’er. Die Firma wurde vor einiger Zeit verurteilt, 13 Mill. Dollar an die Regierung der Vereinigten Staaten zurückzuzahlen, weil ihr ungerechtfertigte Gewinnberechnungen vorgeworfen wurden; ein Berufungsverfahren schwebt.

Ein anderes Industrie-Imperium ist der North-American-Aviation-Konzern. Er beschäftigt sich speziell mit der Nutzung von Atomenergie, stellt Raketenantriebe und Elektronengehirne her. Rund 100 000 Menschen arbeiten für North American Aviation; sie bekommen im Durchschnitt 2,83 Dollar für die Arbeitsstunde. Keine einzelne Firma der Welt hat so viele Flugzeugtypen entwickelt. Der Konzern verkaufte im Geschäftsjahr 1962 eine Produktion im Werte von 1,6 Mrd. Dollar. Das ist ein Drittel des gesamten deutschen Verteidigungshaushalts. North American Aviation machte 1962 einen Reingewinn von 34,5 Mill. Dollar und mußte etwa 38 Mill. Dollar Steuern zahlen. Die Firma weist in ihrem Geschäftsbericht 43 650 Aktionäre aus. Kapital und Gewinne haben in diesem Falle eine weite Streuung.

Das ist nicht immer so. Auch in der großen Rüstungsindustrie gibt es Familienbetriebe, deren Kapitalanteile in den Händen weniger Personen liegen. Die Gewinne bilden in solchen Fällen einen Vermögenszuwachs für die ohnehin in ihren Milliarden erstickenden happy few. Hiergegen hat das Volk, vertreten durch Parlament und Regierung, nur ein Mittel in der Hand: hohe Steuern. Die amerikanische Einkommensteuer ist denn auch in der Tat progressiv bis zu 91 % der Einnahmen. Es existieren aber genügend loop holes, Schlupflöcher, durch die Gewinnanteile in den Privatbesitz zurückfließen. Das ist einer der Gründe, warum Präsident Kennedys Steuerpolitik zugleich mit der Steuersenkung eine Steuerreform durchführen will. Die Steuerreform soll viele Schlupflöcher verstopfen.

63 Cents von jedem Steuerdollar werden zur Unterhaltung des riesigen militärischen Apparates der Vereinigten Staaten ausgegeben. Dennoch kommt es im Parlament zumeist nicht zu Auseinandersetzungen über den Umfang des Verteidigungshaushalts; schon eher streiten sich die Abgeordneten und Senatoren über die Verteilung des großen Kuchens. Hierbei spielen lokale Interessen eine große Rolle.

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