Von Adolf Metzner

Im Jahre 1958, als in Rom die Olympiabauten emporwuchsen, machten die italienischen Archäologen in der etruskischen Totenstadt bei Tarquinia einen aufsehenerregenden Fund. Sie entdeckten ein Grab aus dem 6. Jahrhundert vor Christi Geburt, dessen Wände fast nur mit Sportszenen bemalt waren. Was lag näher, als es tomba delle olimpiadi – Grab der Olympiade – zu nennen?

Die Auffindung dieser Grabstätten war kein Zufall. Die Etruskologen benutzten nämlich einen technischen Spürhund, den ihnen der Mailänder Ölindustrielle Lerici zur Verfügung gestellt hatte. Dessen Hobby war die Etruskologie, die immer stärker den Anteil dieses noch von Rätseln umgebenen Volkes an der Entstehung der römischen Zivilisation enthüllt, die man ja ehedem nur als einen Riesenbastard der griechischen Kultur anzusehen gewohnt war. Als Ingenieur konnte Lerici über das in seinen Augen antiquierte Vorgehen der Archäologen, auf gut Glück mit dem Spaten loszugraben, nur den Kopf schütteln. In einem so ausgedehnten Gräberfeld wie jenem von Tarquinia – das etwa 100 Kilometer nordwestlich von Rom in der Nähe des Meeres liegt – war die Entdeckung eines bedeutenden Grabes immer ein besseres Lotteriespiel.

Viele Hunderte von Tumuli, im Grundriß runde, hochgewölbte große Grabhügel erheben sich dort, unter denen in der Tiefe die Grabkammern, Wohnungen der Toten, verborgen liegen. Nur einige Dutzend davon bergen wirklich wertvolle Malereien, die meisten sind unbemalt. Auch Grabbeigaben sind selten, da die größeren Gräber fast ausnahmslos ausgeraubt sind.

Das Geschäft der Grabräuber blühte schon vor Jahrtausenden im alten Ägypten, wo die Mumien der Pharaonen niemals Ruhe fanden, genauso wie heute in Italien, wo es in der Umgegend der alten Etruskerstädte manchen Mann samt seiner Familie ernährt.

Läßt der Archäologe wie bisher an irgendeinem Tumulus eine Arbeitskolonne graben, so wird er also mit viel größerer Wahrscheinlichkeit ein Grab mit leeren oder mit nur bescheiden dekorierten Wänden finden als eines mit reichem malerischem Figurenschmuck.

Hier setzte nun Lerici seinen technischen Spürhund an. Vorher war dieser nur auf die Aufdeckung von Ölvorkommen dressiert gewesen. Zuerst wurden etwaige Hohlräume durch Messung des elektrischen Widerstandes im Erdreich aufgespürt, dann wurde gebohrt. Genau so ging man jetzt in der Gräberstadt vor. Durch die großen Erdhügel hindurch, wie sie ja später noch die Gigantengräber der römischen Cäsaren deckten, wurde erst einmal die genaue Lage der Grabräume bestimmt. Dann drang ein elektrischer Bohrer von oben zunächst durch die Erde und dann durch die Decke der Grabkammer. Durch das Bohrloch konnte jetzt eine photographische Sonde, eine Röhre mit einer Miniaturkamera, ins Innere des Grabes eingeführt werden. Außerdem wurde auch noch ein Periskop, das dem Sehrohr der U-Boote gleicht, entwickelt. Mit ihm kann die Grabkammer auch direkt im Detail erforscht werden, und es können sogar Spezialaufnahmen mit einer gewöhnlichen Kamera, die außerhalb des Grabhügels angebracht ist, gemacht werden.