H. C. K. Johannesburg, im Juni

Ein neuer Industriezweig entsteht vor der Küste Südwestafrikas und Südafrikas. Ein smarter Amerikaner, Sam Collins aus Texas, machte den Anfang und holte Diamanten aus dem Meer. Durch Ölspekulationen zu Geld gekommen, wandte er sich noch lohnenderen Gefilden zu. Unterseeische Diamantenvorkommen waren schon früher aus Südwestafrika bekannt. Allerdings war man allgemein skeptisch, und viele waren der Ansicht, es handele sich nur um getarnten Diamantenschmuggel. Die Diamanten, so sagte man, stammten aus den bereits bekannten Lagern und man erzähle die "Fischergeschichten" nur, um den Besitz plausibel zu machen.

Collins betrieb nun die Prospektierung mit dem nötigen Kapitaleinsatz und auf wissenschaftlicher Basis. Die Ergebnisse decken bereits die laufenden Prospektierungs- und Betriebskosten. Die ersten Versuchsschürfungen begannen im Oktober 1961: Ein dimantenhaltiger Streifen von etwa acht Kilometer Länge und 800 Meter Breite wurde etwa 100 Kilometer nördlich der Mündung des Orangeflusses entdeckt.

Südwestafrikas Diamantenreichtum ist schon seit 1908 bekannt. Danach gab ein farbiger Straßenbauarbeiter seinem deutschen Inspektor einen ungewöhnlichen Stein, den er gefunden hatte. Heute sind 71 % des Wertes der Mineralexporte Südwestafrikas Industrie- und Schmuckdiamanten. Im vergangenen Jahre betrug der Wert der geförderten Diamanten 200 Mill. DM.

Der ostpreußische Geologe H. Merensky erforschte die Ausdehnung und Struktur der Diamantenvorkommen und machte sich um ihre Erschließung verdient. Die Diamanten finden sich in Terrassen entlang der Küste Südwestafrikas von der Mündung des Orangeflusses nordwärts bis zum 500 Kilometer entfernten Walfischbai vor.

Man glaubt, daß diese Diamanten aus vulkanischen pipes stammen. Der "blaue Grund" und die darin enthaltenen Diamanten wurden in vorgeschichtlicher Zeit von Urströmen in die See gewaschen. Die Wellen konzentrierten die Diamanten am Strand. Die See ging allmählich zurück und hinterließ eine Reihe diamanthaltiger "Terrassen" von etwa einem Meter Decke.

Später bedeckten hohe Wanderdünen diese Terrassen, so daß der wirtschaftliche Abbau der Diamanten heute nur unter hohem Kapitaleinsatz im "Tagebau" erfolgen kann. Alles ist mechanisiert. Nur das Zusammenfegen des besonders reichen Sedimentes in den Mulden und Rissen des Felsbodens muß noch von menschlichen Arbeitskräften besorgt werden. Um ein Karat Diamanten zu gewinnen, müsser. durchschnittlich 30 Tonnen Sand und Kies bewegt werden. Ein Karat Diamanten ist heute etwa 180 Mark wert. Der gesamte Abbau liegt in den Händen der Consolidated Diamond Mining Co., die von Harry Oppenheimers Anglo-American Corporation kontrolliert wird. Sie beschäftigt 900 Europäer, überwiegend Inspektoren und Polizisten – und 4000 Ovambos.