In dieser Woche beendet unser Redaktionsmitglied seine Artikelserie über Südostasien. Er hat geschildert, wie Sukarno, der umstrittene Staatsmann, der die Nation Indonesien zusammenfügte, sich auf ein gewagtes Spiel mit vielen Bällen eingelassen hat. Auch von Malaysia war die Rede, dem neuen Staat, den die Engländer und Malayen "aus der Retorte schaffen" wollen, und gegen den im Augenblick die Politiker in Indonesien und auf den Philippinen leidenschaftlich opponieren. Das Fazit der Beobachtungen in Südostasien ist dies: Trotz aller Zänkereien und Gegensätze gibt es etwas, das die jungen Nationen in jenem Teil der Welt eint: die gemeinsame Furcht vor dem nördlichen Nachbarn China.

Mein Wagen rollte über eine vorzüglich asphaltierte Straße im Nordwesten von Malaya. Gummiplantagen grünten auf beiden Seiten des Weges. Reisfelder dehnten sich. Und in Palmenwäldern duckten sich kleine saubere Dörfer mit exakt gebauten Pfahlhäusern.

Ein Bild der Ordnung, der Tüchtigkeit, des asiatischen Wohlstandes. Nun zählt dieser Nordwesten freilich auch zu des wohlhabenden Malayas wohlhabendsten Teilen. Drei Viertel des Landes sind noch immer mit Dschungel bedeckt, und besonders die östliche Landeshälfte ist so gut wie unerschlossen. Hier an der Westküste aber gibt es Mustersiedlungen, gibt es geregelte Arbeit, hinreichende Produktion.

Ein paar Stunden zuvor war ich von Kuala Lumpur abgeflogen, der malaischen Metropole, die sich seit 1957 – damals wurde der Bund unabhängig – aus abgeschiedener Urwaldexistenz zu modernem Großstadtleben hinentwickelt hat. Pulsierende Geschäftigkeit. Neue Bürohäuser allenthalben. Gute Hotels und ein Universitätskomplex, der architektonisch in Europa seinesgleichen sucht. (Verglichen mit dieser aus dem Dschungel gewachsenen Stadt wirkt das gutenglische Singapur längst ein wenig tantenhaft und verschlafen.)

So sehr mich Kuala Lumpur faszinierte – eines konnte es mir nicht bieten: eine Begegnung mit Malayas mächtigstem und interessantestem Mann, dem Ministerpräsidenten Tunku Abdul Rahman. Der Prinz – nichts anderes heißt Tunku – weilte im Erholungsrefugium in seiner Heimatstadt Alor Star, nahe der thailändischen Grenze.

Also war ich nach Butterworth geflogen, einem nicht ganz kleinen Militärflugplatz (ich sah auf den Maschinen australische und englische Hoheitszeichen), der auf der Landseite dem Inselfreihafen Penang gegenüberliegt.

Der Fahrer des Wagens, der mich von Butterworth nach Alor Star brachte, sprach kein Englisch. Dieser glückliche Umstand bewahrte mich vor dem Versuch, ihm nach zünftiger Reporterart Taxifahrer-Bonmots zu entlocken. Statt dessen ließ ich meine Gedanken zurückgehen nach Indonesien, wo ich soviel Kritisches, ja Böses und Gehässiges über den "Tunku", den "Imperialistenknecht" und über sein "neokolonialistisches" Land gehört hatte, wo mir aber auch (in Djakarta) die indonesischen Führer – am eindeutigsten der General Nasution – erklärt hatten, warum sie so leidenschaftlich den Plan bekämpfen, aus Malaya, Singapur und den drei britischen Territorien in Nordborneo den neuen Staat Malaysia zu schaffen.