Rekorde sind im Bausparen nichts Außergewöhnliches. Da jedes Bausparjahr hierzulande fast noch immer auch ein Rekordjahr war, hat sich dieses Attribut inzwischen stark abgenutzt. Kein Wunder, daß die Bausparkassen heute selbst bei glänzenden Jahresabschlüssen nur ungern dieses Wort in den Mund nehmen. Statt dessen beschränken sie sich bei der Charakterisierung des Geschäftsverlaufs auf weniger auffällige Formeln. Die gängigste ist dabei ohne Zweifel der Hinweis auf die "Stabilisierung des Neugeschäfts auf hohem Niveau". Damit soll gewissermaßen verdeutlicht werden, daß auch die Bausparbäume nicht in den Himmel wachsen. So auch im Falle der Bausparkasse GdF Wüstenrot", Ludwigsburg, bei der sich der Neuzugang dem Betrage nach im Jahre 1962 nur noch um 1,2 (1961: 9,1) % erhöhte.

Da sich die Zuwachsrate bei diesem "schwäbischen Bausparriesen" allerdings auf ein Neugeschäft von mehr als 3 Mrd. DM Bausparsumme bezieht, kann eine verminderte Progression manches, aber nicht alles besagen. Nach wie vor wird etwa jeder vierte Bausparvertrag im Bundesgebiet bei "Wüstenrot" abgeschlossen. Daß den Zuwachsraten bei den Bausparkassen überhaupt eine so große Bedeutung beigemessen wird, erklärt sich aus der kollektiven Struktur des deutschen Bausparens: Je größer die Gemeinschaft der neu hinzukommenden Sparer, desto günstiger die Wartezeiten, die Frist bis zur Zuteilung des Vertrages, der Auszahlung des Bauspardarlehens. Kleinere Schwankungen im Neugeschäft schlagen nun allerdings noch nicht wesentlich auf die Wartezeiten durch. Dafür sorgt schon die Elastizität der Kassen, die sich nicht zuletzt dadurch ergibt, daß es viele Bausparer mit der Zuteilung ihres Vertrages gar nicht so eilig haben. So gab es beispielsweise bei "Wüstenrot" Ende 1962 immerhin 76 518 "Kunden" mit einer Bausparsumme von 1,2 Mrd. DM, deren Verträge bereits zugeteilt sind, die aber zumindest vorübergehend auf ein Darlehen verzichten.

Wenn auch die Rechte aus diesen Verträgen innerhalb von drei Jahren jederzeit wieder geltend gemacht werden können (und zum Teil wohl auch werden), so sind diese "Fortsetzer" doch eine sehr willkommene Refinanzierungsquelle. Denn ihnen verdankt es die Kasse weitgehend, daß sie bisher für eilige Bausparer praktisch ohne einen Rückgriff auf Fremdgelder recht großzügig Zwischenkredite (oder auch Sofortdarlehen) bereitstellen konnte; im vergangenen Jahr, allein in 34 219 Fällen im Betrage von 877,4 Mill. DM. Der größte Teil wurde allerdings noch im gleichen Jahr durch reguläre Zuteilungen abgelöst. Für die Vorsicht der Kasse spricht, daß die Aktivität im Zwischenkreditgeschäft 1962 im Vergleich zum Vorjahr offensichtlich etwas nachgelassen hat. Im Geschäftsbericht heißt es jedenfalls, daß man sich 1962 "gegenüber einer im Wandel der Wirtschaftsdaten deutlich veränderten Kreditnachfrage, wie sie so manchen Vertrangsangeboten zu Grunde lag, bewußt zurückgehalten" habe. Gemeint sind damit gewerbliche Beleihungen, für die seit etwa eineinhalb Jahren ein verstärktes Interesse beobachtet wird, deren Bonität jedoch längst nicht so gut ist wie bei "normalen" Bauspardarlehen. lz