Von Nina Grünenberg

Im Juni 1958, am gleichen Tage als Martin Buber die Stadt Köln besuchte und mit einem Empfang auf dem Ratsschiff geehrt wurde, teilte Paul Schallück die Gründung der "Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums" mit.

Schallück versäumte nicht, auch die Meinung des jüdischen Gelehrten zu diesem Vorhaben einzuholen. Unter den Initiatoren der Bibliothek, zu denen Heinrich Böll, Klaus von Dohnanyi und der Kölner Kulturdezernent Dr. Kurt Hackenberg gehören, meinte man damals noch, diese Institution solle kämpferisch gegen der Antisemitismus eingesetzt werden, "um neuer. Anfängen zu wehren".

Als Buber das hörte, schwieg er. Schließlich sagte er: "Ich habe in meinem Leben nie geger. etwas gekämpft, auch nicht gegen den Antisemitismus, nicht mal in der bösen Zeit. Warum soll ich es jetzt tun. Man muß eine Sache richtig darstellen, dann ergibt sich alles von selbst, So fasse ich den Kampf auf..."

Das wurde der Leitspruch der Bibliothek, die in diesen Tagen fünf Jahre besteht. Das zarte philosemitische Tremolo über die jüdische Humanitas vertrug sich auf die Dauer nicht mit der Idee, ein sachliches Informationszentrum mit Dokumenten und Publikationen zur mehr als 1500jährigen Geschichte des Judentums in Deutschland zu schaffen. "Mörderischer Antisemitismus und ein hiervon hervorgebrachter gutgemeinter Philosemitismus", sagt Klaus von Dohnanyi, "haben uns – Juden und Nichtjuden gleichermaßen – in ein Labyrinth irrationaler Haltungen verstrickt, aus dem wir uns, wenn überhaupt, nur an dem festen Faden der Ratio wieder hinaustasten können."

Wie notwendig eine sachliche Unterrichtung war, wurde den Gründern der "Germania Judaica" auch in Gesprächen mit jungen Leuten und Studenten offenbar. Der Drang, sich zu informieren, war zwar groß, noch größer aber war die Unkenntnis der jüdischen Historie in Deutschland, deren Vielschichtigkeit und Tragik leicht von den aktuellen politischen Ereignissen überlagert wird.

Die Initiatoren der Bibliothek handelten, ohne sich auf die Unterstützung offizieller Behörden zu verlassen. Heute umfaßt die Bibliothek rund 5000 Titel.