Von Richard Wichterich

Rom, im Juni

Auch im italienischen Außenhandel machen sich Anzeichen einer Wandlung bemerkbar: Während die Importe immer noch tüchtig steigen, bleiben die Exporte eher zurück. Zweifellos sind die auch im Süden des Landes rapide wachsenden Lohnkosten daran schuld. Nicht zu vergessen ist aber das im internationalen Handel allgemein abgesunkene Preisniveau.

Die steigenden Importe sind Ausdruck anschwellender, preislich günstiger Rohstoff- und Produktionsmittelkäufe im Ausland, die aber nicht so sehr dem Export, als vielmehr der Versorgung des heimischen Marktes dienen, in dem noch eine außerordentlich große Kaufkraftreserve aufgespeichert ist.

Die allgemeine Lage der italienischen Industrie ist also etwas schwieriger geworden. Sie wird aber vorläufig durch einen besonders aufnahmefähigen Inlandsmarkt für das rückgängige Auslandsgeschäft entschädigt. Dennoch hält der Export in verschiedenen Industriebranchen unvermindert an. Zumal gilt das für einzelne Zweige der Maschinenindustrie, so auch jene der Kälteindustrie, die sich in den vergangenen Jahren mit ihren Produkten Eingang in die Bundesrepublik verschafft hat.

Die italienische Erzeugung von Kühlschränken, Kühlmöbeln, Kältekompressoren und Kältemaschinen – und neuerdings auch von Waschmaschinen – hat sich dank staatlicher Förderung in einem ungeahnten Tempo entwickelt, das für die nächste Zukunft noch intensiver zu werden verspricht. Aber nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder innerhalb und außerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (z. B. Frankreich und England) sind von diesem italienischen Wettbewerb betroffen, der dank niedrigem Preisniveau den entsprechenden ausländischen Produzenten eine ganz empfindliche Einbuße bereitet.

Allgemein wird, besonders in den drei großen "Wettbewerbsländern" Deutschland, Frankreich und England, von einer mit künstlichen Mitteln erzielten italienischen "Unterwanderung" gesprochen, gegen die sich inzwischen diese Länder, an der Spitze Frankreich, energisch zur Wehr gesetzt haben.