BERLIN (Galerie Gerda Bassenge):

"Kunst – Bücher – Autographen" Was auf der ersten Auktion der neuen Galerie vom 10. bis 14. Juni angeboten wird, entspricht nach Umfang (3500 Nummern), Qualität und Anordnung dem von Gerd Rosen Gewohnten. Ein Spezialgebiet bei der Alten Kunst, das in Zukunft noch ausgebaut werden soll, sind Handzeichnungen. Köstliche altdeutsche, italienische, niederländische und französische Blätter wie das Rokokoblatt von Jean Baptiste Huet. Man scheut sich immer, diese Dinge zu laut anzupreisen. Sie sind auch heute noch eine Domäne für passionierte Sammler. Die Preise für alte Zeichnungen stehen glücklicherweise in keinem angemessenen Verhältnis zu moderner Druckgraphik. Wenn es sich nicht gerade um Boucher handelt, dessen "Knabenkopf" auf 3600 Mark geschätzt ist, kann man hier schon mit ein paar hundert Mark etwas anfangen. Ein anderes Lieblingsgebiet der Galerie ist Berliner Kunst, mit Chodowiecki, Schinkel, Menzel und einer umfangreichen Kollektion von Hosemann-Aquarellen und -Zeichnungen. Unter den modernen Berlinern die Kollwitz, Hofer und Werner Heldt. In der Buchauktion eine umfangreiche Sammlung Deutscher Literatur in Erst- und Gesamtausgaben, Kunstwissenschaft und ein Anhang literarischer Zeitschriften.

HAMBURG (Künstlerclub "die insel"): "Gotsch"

Nach der großen Retrospektive, die Hamburg, Kiel und Wuppertal 1960 zum 60. Geburtstag von Friedrich Karl Gotsch veranstalteten, zeigt "die insel" bis Ende Juli eine thematisch begrenzte Auswahl seiner Aquarelle und Zeichnungen. Eine Serie "Variationen nach Rubens", Antiope, Susanna im Bade, Nymphen. Wie der schwerblütige, norddeutsch-expressionistische Maler an dieser Gegenwart Feuer fängt, wie die bei ihm gewohnten spitzigen Formen rund und voll werden – ein Beispiel fruchtbarer Auseinandersetzung, ein unbekannter Gotsch! Außerdem eine Gruppe von Abzeichnungen, angeregt durch einen Besuch der Académie Cola Rossi in Paris, wo er als junger Maler studiert hat. Und Varianten über das "Café in Lugano": die streng stilisierte Randfigur neben der farbigen Turbulenz der Strafe. Gotsch erhielt Ende 1962 den Villa-Romana-Preis und ist für diesen Sommer von seinem Haus an der Nordsee nach Florenz gegangen.

KÖLN (Kunstverein): "Jimmy Ernst"

Jimmy Ernst stellt zum erstenmal in Deutschland aus. In Köln, wo er 1920 geboren wurde und wo Anfang des Jahres sein Vater Max Ernst in der bisher größten Retrospektive zu sehen war. Seit 1938 lebt er in den USA, seine Bilder sind in vielen amerikanischen Museen. Er war häufig dabei, wenn "Young American Painters" im Ausland, beispielsweise auf der Brüsseler Weltausstellung, vorgestellt wurden. Jimmy Ernst wandelt durchaus nicht auf den väterlichen Spuren. Seine abstrakte Bilderwelt steht unter strenger Disziplin. Ein präzis gezeichnetes Lineament überzieht die Fläche, Strahlenbündel, hauchzarte Netze, von denen sich hellere oder dunklere Balken und Kurvenbahnen absetzen, Zeichen, Wegemarken, Brückenbögen. Einer der gewissenhaftesten Künstler in der Neuen Welt, schreibt James Johnson Sweeney im Vorwort für die Ausstellung. Sie dauert bis zum 23. Juni und wird später auch im Berliner Amerika-Haus gezeigt. g. s.