Mit einem Prämienzuwachs von 11 % oder 108 Mill. DM blieb die Allianz Versicherungs-AG, München-Berlin 1962 hinter der Zunahme von 15 % im Jahr 1961 zurück. Grund dafür war der unterdurchschnittliche Prämienzuwachs in der Kraftfahrtversicherung, der dadurch bedingt ist, daß seit Anfang 1962 der Schadenfreiheitsrabatt an der fällig werdenden Prämie gekürzt wird. Ungeachtet dieses einmaligen Sondereinflusses ist die Zuwachsrate mit 12,7 % noch etwas höher als die von 1961 mit 12,3 %. Mit einer Bruttoprämieneinnahme von 1,09 Milliarden DM (0,98 Mrd. DM im Vorjahr) ist die Allianz in die Reihe der Prämien-Milliardäre aufgerückt. Wenn man kühne Vergleiche nicht scheut, ist diese Leistung kaum weniger wert als eine Milliarde Industrieumsatz.

Die Gesellschaft, die die Zahl ihrer festangestellten Mitarbeiter auf 14 231 (13 314) erhöht hat, registriert eine gegenüber dem Vorjahr wenig veränderte Schadenshäufigkeit. Allerdings wurde bei einzelnen Sparten – so in erster Linie bei der industriellen Feuerversicherung – die Tendenz zu Großschäden sehr spürbar. Diese Entwicklung hat auch im laufenden Jahr bisher angehalten, wobei der strenge und lange Winter den Schadenanfall in mehreren Sparten über den Durchschnitt ansteigen ließ. Die Auswirkungen der Hamburger Sturmflutkatastrophe, die der Allianz etwa 12 Mill. DM an Schäden brachten, vermochte das Gesamtergebnis nicht wesentlich zu beeinflussen, wei die Rückversicherung einen verhältnismäßig großen Teil der Summe zu tragen hatte. Die Schadensquote, die mit der des Vorjahres allerdings nicht vergleichbar ist, dürfte etwa knapp 60 % der vereinnahmten Nettoprämie erreichen.

Mit einer besseren Kapitalausstattung und einer weiteren Anreicherung der Reserven will das Unternehmen für die Konkurrenz mit den ausländischen Gesellschaften im Gemeinsamen Markt besser gerüstet sein. Wie Generaldirektor Haase auf der Hauptversammlung sagte, soll das Kapital durch Ausgabe neuer Namensaktien von 52,5 auf 80 Mill. DM erhöht werden – wobei eine Spitze von 0,8 Mill. DM zur Verwertung durch die Verwaltung bleibt. – Die Aktionäre werden auch an dem guten Ergebnis teilhaben, da sie die jungen Aktien zu 100 DM offeriert bekommen, während die alten Papiere an der Börse ein Vielfaches dieses Wertes notieren. Das "Rüsten für den Gemeinsamen Markt" wird, wie der Vorstandsvorsitzer Alfred Haase auf der Pressekonferenz erkennen ließ, den Aktionären noch weitere Kapitalerhöhungen bescheren. Das Ergebnis soll auch dadurch verbessert werden, daß man sich mehr und mehr von Risiken trennt, bei denen Prämieneinnahmen und Schadenverlauf in keinem angemes- – senen Verhältnis mehr stehen, selbst wenn dabei langjährige Geschäftsverbindungen getrennt werden müssen. Auch neue Risiken werden daraufhin sorgfältig gesiebt.

Die Rücklagen wurden um 24 (15,6) Mill. DM auf 122 (98) Mill. DM aufgestockt. Davon wurden 15 Mill. DM aus der versteuerten Schadenrückstellung überwiesen. Daß trotz dieser Zuweisung aus versteuerten Gewinnen nicht schlechter verdient wurde als im Vorjahr, belegen die fast unveränderten 42 Mill. DM Ertragssteuern.

Auch die technischen Reserven dürften gleichfalls wieder ansehnlich angereichert worden, sein. Abschreibungen und Wertberichtigungen sind von 13,1 auf 20,6 Mill. DM gestiegen. Versicherungstechnische Rückstellungen haben sich auf 1058 (941) Mill. DM erhöht.

Auch bei den Vermögensanlagen wurde die Milliardengrenze überschritten. Von insgesamt 1074 (956) Mill. DM entfallen 59 (54) % auf Wertpapiere, in denen noch beträchtliche stille Reserven enthalten sein dürften, der Rest auf Anlage in Grundstücken, Schuldscheinforderungen und Darlehen, die stark zunahmen.

Die Vermögenserträge erbrachten 61,6 (56,7) Mill. DM. Beteiligungen haben sich um 26,6 auf 118,4 Mill. DM erhöht.