In der Pressekonferenz über den Abschluß des vergangenen Geschäftsjahres wurde vom Rheinstahlvorstand klar bestätigt, daß der Konzerntrend eindeutig in Richtung auf die Weiterverarbeitung geht, eine Entwicklung, die auch aus den Ziffern des Berichtsjahres bereits abzulesen ist. Von dem Gesamtumsatz der Rheinstahlgruppe in Höhe von 3,272 (3,249) Mrd. DM entfielen im vergangenen Geschäftsjahr 37,7 (36,8) % auf die weiterverarbeitenden Werke. Der Bergbau verringerte seinen Umsatzanteil auf 9 (9,2) %, die eisenschaffende Industrie auf 17,2 (18,6) %. Auch der Erzeugnisbereich Guß- und Stahlverformung liegt mit 19,7 (20,7) % des Gesamtumsatzes unter der Vorjahrsgrenze. Der Konzernumsatz der Rheinstahlgruppe einschließlich der Gußstahlwerke Witten AG lag wiederum über der 3,5-Milliarden-Grenze. Wenn das Geschäftsvolumen also gut gehalten werden konnte, so lag das zweifellos an der Vielfältigkeit des Konzernprogramms, das sich wieder einmal in positivem Sinne nivellierend ausgewirkt hat.

Nicht so günstig sieht allerdings auch im Rheinstahlbereich die Ertragsentwicklung aus. Obwohl der Gesamtumsatz gehalten wurde, sei eine spürbare Ertragsabschwächung eingetreten, hieß es in der Pressekonferenz. Daß davon die Aktionäre nicht berührt werden, spricht für die – nicht zum erstenmal unter Beweis gestellte – Dividendenfreudigkeit der Rheinstahlverwaltung. 14 % sind eine ansehnliche Verzinsung; sie verlangt Anerkennung, auch wenn der Vorstand in der glücklichen Lage ist, betonen zu können, daß die Dividende "glatt verdient" worden ist. Das Unternehmen hat dafür auf die innere Stärkung verzichtet, wobei allerdings einschränkend zu bemerken ist, daß trotzdem genügend Spielraum vorhanden war, um bei den Wertansätzen "wiederum allen denkbaren Risiken Rechnung zu tragen". Bei dem Dividendenvorschlag haben in der Essener Verwaltung Überlegungen eine Rolle gespielt, daß die unzulängliche Börsenlage der letzten Zeit eine Stütze verlangte. "Wenn wir auch im Augenblick" – so erklärte Generaldirektor Solingen wörtlich – "nicht an eine Kapitalerhöhung denken, so muß ein Unternehmen wie Rheinstahl doch immer bemüht sein, daß die Voraussetzungen einer erfolgreichen Inanspruchnahme des Kapitalmarktes auch in Form der Begebung junger Aktien zu angemessenen Bedingungen grundsätzlich erhalten bleiben." Der "Dienst am Kapitalmarkt" sei es gewesen, der letztlich den Dividendenvorschlag bestimmt habe. Allerdings sei mit der Motivierung für die Ausschüttung des Jahres 1962 noch nicht gesagt, daß es nicht auch im Rheinstahlkonzern – "wenn uns die Ertragsentwicklung dazu zwingt" – einmal eine Dividendensenkung geben könnte.

Die Hauptsorgen erwachsen, wie auch bei anderen Unternehmen, aus der Lohnentwicklung. Während sich im Berichtsjahre die Gesamtleistung aller Produktionsbetriebe des Konzerns auf 98,7% des Jahres 1961 ermäßigt habe, stiegen die Personalkosten auf 109,2 %. Diese Diskrepanz ist aus der Ergebnisrechnung abzulesen. In der konsolidierten Ertragsrechnung stiegen Löhne und Gehälter auf 724,8 (665,9) Mill. DM, bei einem Zuwachs der Konzernbelegschaft um 600 auf 84 677 Personen. Ertragssteuern werden konsolidiert mit 92,8 (99,7) Mill. DM ausgewiesen. Die Ertragsrechnung der Holding führt Organerträge von 88,7 (92,8) und Beteiligungserträge von 9,2 (7) Mill. DM an. Das ist ein Organverlust in Höhe von 7,5 (3,3) Mill. DM und betrifft mit 5,8 Mill. DM die Rheinstahl Nordseewerke GmbH und mit 1,7 Mill. DM die Rheinstahl Industrie-Planung GmbH in Essen.