In der Hamburger Filiale eines großen westfälischen Verlages traf am Freitag voriger Woche ein Brief ein, der mit dem Absatz endete: "Ich hatte Vertrauen zu Ihren Abgesandten. Sie werden aber einsehen, daß seine Methoden dem Ruf Ihres Unternehmens nicht gerade förderlich sind." Die Verfasserin des Briefes weigerte sich darin, den Auftrag, ihr ein vierbändiges Lexikon und ein anderes Buch zu liefern, zu bestätigen: "Er ist auf Grund arglistiger Täuschung zustande gekommen."

Ein üblicher "Vertreterfall" also. Indessen stand diesmal am Anfang des Ereignisses eines jener Preisausschreiben, die den Vermerk tragen: "Die Teilnahme... ist unabhängig von einer Probeanforderung." Auf deutsch: Das Preisausschreiben dient zwar der Werbung für die Erzeugnisse des Verlages, aber der Gewinner ist nicht verpflichtet, etwa vor lauter Rührung sogleich Kunde des Unternehmens zu werden. Aber die Adressen wurden genutzt.

Am Freitag zuvor hatte es bei der Verfasserin des Beschwerdebriefes geklingelt. Zwei junge, keineswegs unsympathische Männer hatten in der Haustür gestanden und der Dame verkündet: "Gnädige Frau, wir dürfen Sie beglückwünschen, Sie haben gewonnen." Der Gewinn bestehe, so hatten die Vertreter vom Vertriebsbüro 974 des Verlages gesagt, in "fünfzig Prozent des Ladenpreises" und der "Gewährung einer Teilzahlung in vierzehn Monatsraten ohne Teilzahlungsaufschläge".

Das wären, korrekt, 120 Mark (Ladenpreis: 240 Mark). Aber die Beinahe-Kundin kannte in diesem Augenblick den Ladenpreis noch nicht, und die Werber antworteten auf ihre Frage danach: "Um 400 Mark herum." So setzten sie den Betrag ein: 265 Mark.

Hätte die Frau die fünf Bände in einem Laden auf Teilzahlung gekauft, hätte sie sie für 264,60 Mark bekommen. So aber sollte ihr der "Gewinn" noch die zusätzliche Ausgabe von 40 Pfennig bringen.

Sie fand, das war zuviel. m. s.