Von Frank Burkhard Diegel

Ein bisher noch viel zu wenig beachtetes Problem des Studenten ist sein Bart. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß sich Studenten heute vor Problemen drücken, wo sie nur können, daß sie zum Konformismus neigen und sich nicht exponieren wollen, dann wäre es wohl der, daß die meisten keinen haben.

Es tut mir leid für die vielen ernsten Fachleute, die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus schon fast alles Wesentliche zu dem traurigen Thema gesagt haben. Aber die große Entdeckung des studentischen Bartes als soziologisches und psychologisches Phänomen ist wieder mal einem Laien vorbehalten geblieben: mir.

Was meinen persönlichen Bart anlangt, so verstehe ich bedauerlicherweise nicht genug von der zuständigen Wissenschaft, um ihn in seiner ganzen Tiefe und Länge ausloten zu können, obwohl sein Wachstum zum Glück nicht proportional war der wachsenden Sorge berufener Männer um den studentischen Drückeberger. Aber einiges habe ich doch herausgefunden, was besonders jüngeren Kommilitonen nützlich sein könnte, die sich mit dem Gedanken an die Anschaffung eines Bartes tragen.

Zunächst sollte sich jeder vor Augen halten, daß der Bart ein reiner Luxusgegenstand ist, dessen Anschaffungskosten zwar gering, dessen Unterhalt und Pflege jedoch nicht billig sind, falls man nicht vollkommen zuwuchern will.

Wer also nur mit ökonomischen Überlegungen an einen Bart herangeht, um dadurch Strom oder Rasierseife zu sparen, sollte lieber Abstand nehmen. Doch darf ich aus langjähriger Erfahrung wohl sagen, daß ein gepflegter, gutgeschnittener Bart nachher auch Anerkennung und Bewunderung findet und überall gern gesehen wird. Von einigen Extremisten abgesehen, die merkwürdigerweise den glattrasierten Zustand für erstrebenswerter halten.

Zugegeben, die Hochblüte abendländischer Bartkultur ist vorbei. Ich erinnere mich da zum Beispiel so einer alten isländischen Geschichte, die ich mal irgendwo gelesen habe. Es gab dort einen, der hatte als einziger in der Gegend keinen Bart. War aber komischerweise sonst kein übler Bursche, sondern so ziemlich der einzig vernünftige Mensch in dem ganzen rauschebärtigen, blutrünstigen Haufen. Hat es aber trotzdem recht schwer gehabt, weil ihm eben doch das wichtigste männliche Prädikat fehlte. Nun, diese Zeiten sind ein für allemal dahin. Heute ist es eher umgekehrt. Doch wir wollen nicht polemisieren.