DARMSTADT (Orangerie)

"Ulysses von Ithakien" von Ludwig Holberg

Der Opernregisseur des Hessischen Landestheaters, Harro Dicks, erinnerte bei seinem Ausflug ins Schauspiel an den dänischen Komödiendichter Holberg (1684–1754), der mit den Lustspieltypen, die in die Weltliteratur eingegangen sind (wie der politische Kannegießer), das Dänische zur Literatursprache erhob. Von den deutschen Romantikern wurde Holbergs "romantische Ironie" geschätzt. Doch ist, ähnlich wie in Tiecks "Gestiefelter Kater" und Grabbes "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung", bei Holberg die Travestie des trojanischen Heldenlebens ohne Kenntnis der zeitgeschichtlichen Anspielungen nicht mehr unmittelbar verständlich. Dicks nahm, wie die Frankfurter Abendpost berichtet, "das großspurig pseudotragische Theater aufs Korn... Aber die Wirkungsgrundlage ist auf die Dauer ... zu schmal". Die FAZ urteilt: "Die Inszenierung wird nach einer Viertelstunde leer... Dicks strandet in der bewegten Langeweile, die gelegentlich durch kleine Spitzen auf Sellners Antikenregie aufgestachelt wird. Das Drama des Abends besteht darin, daß ein frisch entdecktes Stück wieder verdeckt wird." Bühnenbild: Franz Mertz. Hauptrollen: Udo Vioff und Karl Friedrich.

KÖLN (Opernhaus)

"Die Walküre" von Richard Wagner

Da mit Oscar Fritz Schuh auch der Generalmusikdirektor Sawallisch Köln verläßt, beeilen sich Sawallisch und Wieland Wagner die in Bayreuth nicht mehr zusammen wirken wollen, wenigstens in Köln die gemeinsam unternommene "Ring"-Einstudierung schnell hinter sich zu bringen. Über die Inszenierung des zweiten Werkes berichten die Düsseldorfer Nachrichten: "Im ersten Akt ist die gewaltige Esche mit dem modischen großen Loch der Hintergrund, im zweiten Akt bildet diesen ein abstraktes Glasfenstermuster, im dritten Akt ein mächtiges, gezacktes Gebilde, das wie eine Metallplastik von Hajek aussieht ... Aber treibt es Wieland Wagner mit der Dunkelheit nicht zu weit? ... Ein solch radikales Wegfegen jeglichen Details wird den Leuten in zehn Jahren wahrscheinlich ebenfalls lächerlich vorkommen. Auch in der Sängerführung das Extrem der Unbeweglichkeit erreicht. Viertelstundenlang herrschen die Gesetze des Oratoriums ... Wie einfach hat es dagegen bei Richard Wagner doch der Dirigent! Er läßt seit jeher spielen, was in der Partitur steht." In den Hauptpartien: "überragend der Wotan des großen George London", Anja Silja erstmals als Brünhilde, Richard Martell (Siegmund), Hildegard Hillebrecht (Sieglinde), Gerd Nienstedt (Hunding). lac