Von C. W. Ceram

INTERTEL, eine private internationale Fernseh-Produktionsgesellschaft in München, ist in den letzten Monaten mit einer Diskussionsreihe über Fernsehfragen hervorgetreten. Sie hat zu den öffentlichen Gesprächen (die bis zum 14. Juli dauern) namhafte Autoren, Intendanten, Komponisten und Kritiker aufgefordert, darunter auch C. W. Ceram, den aus Berlin stammenden, in Amerika lebenden Verfasser des berühmten Buches "Götter, Gräber und Gelehrte". Ceram ist zwar nicht zu einer Diskussion nach München gekommen, aber er hat seine Überlegungen zu den Fragen, die von Anne Rose Katz, der Presseleiterin der INTERTEL, gestellt wurden, schriftlich formuliert.

WAS BIETET DAS FERNSEHEN DER DRAMATURGIE?

a) Wie wird es dem traditionellen Drama und der Theateraufführung gerecht?

Schlecht. Denn die spezifischen Möglichkeiten des Fernsehens liegen auf den Gebieten, die die anderen Medien nicht ganz in Besitz nehmen können: Das ist die aktuelle Direktübertragung (live-Dokumentation) und die auf die private Person gezielte Belehrung und Beeinflussung. Doch die Fragestellung ist antiquiert.

Das Fernsehen ist ein Massenmedium solchen Maßes, daß man Theater und Oper dagegen Elitemedien nennen kann. Ein Massenmedium dieser Art und dieses quantitativen Anspruchs kann der Bruderhilfe nicht entraten. Deshalb handelt es sich nicht darum, ob es seinen Brüdern "gerecht" werden kann oder nicht, denn es braucht sie und wird sie verwenden müssen. Damit hat auch die unzulänglichste Wiedergabe einen Sinn. Und dadurch, daß das Fernsehen sich die qualifiziertesten Werke und Aufführungen zur Aufführung oder Reproduktion aussuchen kann, erhöht sich dieser Sinn.

Das heißt: das Fernsehen spielt hier einen schlechten Vermittler – aber es ist einer. Diese Rolle ist ihm durch die Umstände diktiert und sollte von der Kritik stets im Licht dieser Umstände gesehen werden.