FÜR Cinéasten und alle, die mit Film zu tun haben oder sich für ihn interessieren, auch für Leute, die gerne vollständige Drehbücher zur Hand haben wollen, um dem hiesigen Zensurfirlefanz, gleich welcher Provenienz, wenigstens zu Hause nicht aufzusitzen –

Michelangelo Antonioni: "L’avventura", aus dem Italienischen von Annemarie Czaschke, mit einem Nachwort von Günter Rohrbach; Ausgewählte Filmtexte, Cinemathek 5, herausgegeben von Enno Patalas, Marion von Schröder Verlag, Hamburg; 144 S., zahlreiche Abb. im Text, 6,80 DM, im Abonnement 5,80 DM.

ES ENTHÄLT das vollständige Drehbuch, die genauen Daten des Films, zahlreiche Szenenphotos und ein sehr verständiges Nachwort. ES GEFÄLLT als ein Band einer sehr verdienst-

vollen Reihe. Bisher erschienen in gleicher angenehmer Ausstattung: Ingmar Bergman: "Wie in einem Spiegel", René Clair: "Schweigen ist Gold", Fritz Lang: "M", Luis Buñuel: "Viridiäna" und Jean Cocteau: "Orphée". Bei der Lektüre des Buches zu Antonionis vielleicht tiefstem Film, geht einem die ganze Unverfrorenheit des Gloria-Verleihs, der es gewagt hat, nach eigenem Gutdünken, aus kommerziellen Erwägungen dieses Meisterwerk auf konsumierbare Normallänge zurechtzustückeln, erst richtig auf. Im Falle "M" sieht es vergleichsweise harmloser aus, immerhin endet das Drehbuch nicht wie der Film mit dem Zugriff der Staatsautorität. Was mit Rücksicht auf die katholische Kirche aus "Viridiana" herausgeschnipselt wurde, man sieht’s und traut seinen Augen kaum. Leider ist die Übersetzung aus zweiter Hand, aus dem Französischen. Der Herausgeber wäre gut beraten, einen ähnlichen Lapsus in Zukunft zu vermeiden, dann kann die Reihe eines Tages – wenn die ersten fünfzig Bände zusammen sind – von unschätzbarem Wert sein.

uwe