Ich wollte, der bunten Reihe zuliebe, einmal einen Franzosen; aber, so stellte es sich heraus, ich hatte unrecht, die anderen hatten recht. Denn mein Freund David (noch sicherer gegen literarische Ressentiments gefeit als Ould, da er überhaupt kein Schriftsteller, sondern ein Sänger war) – David also, der in der Royal Air Force, im Stab des Duke of Windsor gewesen ist und seither, mit mehr gekrönten Häuptern und anderen hohen Sterblichen gesellschaftlich oder PENpolitisch von beinahe gleich zu gleich in Verbindung gestanden hat, als irgendeiner außer ihm selbst verbuchen kann – David, kurzum, ein höchst repräsentativer, weltläufiger Mann, hochgewachsen, rotgesichtig (ein Kavallerist? ein Denker? was Bedeutendes jedenfalls!) – David, stets auf Reisen, stets verstrickt in Korrespondenzen, Manifeste, Proteste, Forderungen, Verhandlungen, hat den PEN auf Höhen der Geltung und des Erfolges emporgeführt, von denen sich nicht einmal die verbrüderungs-träumerische Dawson Scott etwas hätte träumen lassen, als sie zum erstenmal in ihr Waldhorn stieß.

Es sind die besten Eigenschaften des konservativen Britentums: gleiche Rechte gelten zu lassen für Bantu und Eskimo, für Jud und Christ und sogar Kommunist – immer vorausgesetzt, daß die andere Seite ebenfalls die Spielregeln dieser Internationalität bewahrt.

Bedenklich kann das nur werden, wenn der Präsident aus demselben Lager ist wie der Sekretär. Mit dem Fehlen der politischen Gegenkraft versagte bei einem Präsidenten wie Charles Morgan die politische Bremse. Seine Manifestationen wurden so westlich "engagiert", seine Reden so kommunistenfresserisch, Antworten auf sowjetrussische Annäherungsversuche so hochnäsignegativ, daß der Klub auf Jahre hinaus zu Schaden kam.

Morgan – was habe ich mit ihm Konflikte gehabt! Wir liebten einander nicht. Einmal war er mit ein paar Tausend anderen bei einer Garden Party der britischen Königin, die, der Zufall wollte es, die Party verlassend neben dem Dichter sechzehn Meter weit durch eine Laube schritt. Dabei äußerte Ihre Majestät "Nice day to-day", worauf der Dichter mit der ihm eigenen Schlagfertigkeit erwiderte "It is, your Majesty" – um am Ende der sechzehn Meter, als die Zweisamkeit auseinanderfiel, Umstehenden zu erklären: "Das war der größte Augenblick meines Lebens."

Nun, er ist tot. Sein Erfolg in Deutschland: weil es kein "deutscheres", auf eine Wiechertsche Weise tiefsinn-trächtigeres Buch gibt als seinen "Sparkenbroke".

Da war André Chamson ein tauglicherer Präsident. Ein wortgewaltiger Provence, der dir, aus dem Schlaf geweckt, eine rhetorisch makellose Zweistundenrede hinlegte, worüber du wolltest.

Es war eine fruchtbare Alliance – im Gegensatz etwa zu der Mesalliance mit dem griesgrämigen Moravia, der sich um den PEN überhaupt nicht kümmerte, sowie er sah, daß sein Präsidentenamt für ihn ohne Vorteil war.