Die Ausdehnung der Chemiefaser-Industrie in der Welt, die in dem halben Jahrhundert ihrer Existenz zeitweilig stürmische Ausmaße annahm, geht unaufhaltsam weiter." Das stellen die Phrix Werke AG, Hamburg, fest, ein Unternehmens also, das es wissen muß. Denn die Tätigkeitsbereiche erstrecken sich, so steht es jedenfalls in den einschlägigen Handbüchern – auf die Erzeugung, Verarbeitung und Vertrieb von Zellulose sowie von Produkten der Chemie- und Textilindustrie. Paragraph 2 der Satzung der Phrix-Werke AG scheint der stürmischen Entwicklung auf dem Chemiefaser-Markt noch nicht angepaßt. Erst auf der Hauptversammlung am 21. Juni 1963 soll der Gegenstand des Unternehmens "entsprechend der derzeitigen Entwicklung der Gesellschaft" neu gefaßt werden.

Tatsächlich ist die Entwicklung der Chemiefasern wie ein Siegeszug verlaufen, denn sie decken heute bereits ein Viertel des Weltaufkommens an Bekleidungsfasern; Baumwolle hält noch einen Anteil von 66 % und Wolle von 9 %. Allein um 12 % nahm die Welterzeugung von Chemiefasern 1962 zu, so daß im vergangenen Jahr bereits 3,945 Mill. Tonnen produziert wurden. Davon entfallen allein 355 000 Tonnen auf die Bundesrepublik, die das drittgrößte Erzeugungsland nach den USA und Japan ist, wie die Übersicht zeigt. Bemerkenswert ist, daß allein 31 % des Umsatzes ins Ausland gingen, 1960 dagegen waren es erst 27 %.

Auch die Phrix-Werke haben 1962 ihren Exportanteil erhöhen können. Er stieg von 21 auf 24 % und beträgt nun 75 Mill. DM, denn der Gesamtumsatz der Phrix-Gruppe hat um 5 (Vorjahr 8) % auf 315 Mill. DM zugenommen. Der Zuwachs bei den Phrix-Werke AG ( + 4,6 % auf 244 Mill. DM) ergab sich vor allem bei Chemiespinnfasern und Chemiefäden. Ihr Anteil am Gesamtumsatz erreicht nun bereits 85 (84) %, während die restlichen 15 % auf Papier, Zellglas- und Polyäthylenfolien, Viskoseschwämme, Zellstoff und andere Nebenprodukte entfallen. Die Preisentwicklung war jedoch in vielen Bereichen rückläufig, so daß die Steigerung des Wertumsatzes hinter der des Mengenumsatzes zurückblieb. Deshalb fühlt sich die Gesellschaft – wie sie es nennt – "um einen wesentlichen Teil des wirtschaftlichen Erfolges gebracht", der dank der guten Beschäftigung, der Rationalisierungsanstrengungen, der erzielten Kostensenkungen beim Rohstoffeinsatz sowie durch sparsame Betriebsführung auf allen Gebieten erzielt werden konnte.

Wie im Vorjahr sollen die Aktionäre wieder 8 % Dividende auf das Grundkapital von 55 Mill. DM erhalten. Der Gewinn ist darauf zugeschnitten, denn den Rücklagen wurden vorweg 2,7 Mill. DM (im Vorjahr gingen sie leer aus) zugewiesen, so daß diese nunmehr 13 Mill. betragen. In das neue Jahr ist das Unternehmen mit seinen 6 074 Beschäftigten und den 2370 Betriebsangehörigen in den Beteiligungsgesellschaften mit "guten Auftragsbeständen" hineingegangen. Auch der Umsatz ist erfreulich verlaufen, so daß die Kapazitäten weiter voll ausgelastet arbeiten konnten. W. Weber