Von Theodore H. White

Wenn man heute den Text der ersten Diskussion Nixon–Kennedy (oder auch der drei folgenden) durchliest, kann man sich nur schwer die Reaktion vorstellen, die diese Sendungen auslösten. Aus den Texten geht auch nicht hervor, welche schwerwiegenden und dramatischen Folgen die Diskussion für beide Kandidaten hatte.

Die erste Debatte war auf innenpolitische Fragen beschränkt worden. Auf diesem Gebiet macht die Demokratische Partei traditionsgemäß größere Versprechungen und stellt sich mehr auf die Zukunft ein als die Republikaner. Kennedy eröffnete die Diskussion. Er erklärte, die Welt könne nicht für immer zur Hälfte aus Sklaven und zur Hälfte aus Freien bestehen; die zukünftige Stellung Amerikas in der Welt beruhe wesentlich auf seiner inneren Stärke.

"Wie wir Amerikaner unter uns auskommen", fuhr er fort, "was wir tun, um die amerikanische Gesellschaft vorwärtszubringen, das geht nicht nur uns an, sondern auch andere Völker: Kann die Freiheit trotz des schwersten Angriffs, der je gegen sie geführt wurde, erhalten bleiben? Ich glaube ja, und ich glaube, daß dies letzten Endes davon abhängt, was wir hier zu Hause tun. Ich glaube, es ist Zeit, Amerika wieder in Bewegung zu bringen."

Nixon stimmte mit Kennedy in allen Zielen überein, die der Senator angedeutet hatte. Er wollte nur andere Methoden anwenden, um diese Ziele zu erreichen. Er lobte den Fortschritt, den sein Land in den siebeneinhalb Jahren der Regierung Eisenhower gemacht hatte: Mehr Krankenhäuser und Fernverkehrsstraßen waren gebaut worden; und das Bruttosozialprodukt hatte sich erhöht wie unter keiner anderen Regierung; die wirtschaftliche Wachstumsrate war gestiegen.

Eine Andeutung dessen, was vor sich ging, gibt nur der vorletzte Absatz der Ansprache Nixons: "Abschließend möchten wir folgendes sagen: Senator Kennedy hat in seinen Reden behauptet, wir hätten kein Herz für die Armen, für die Alten oder für andere, die vom Unglück betroffen werden... Ich weiß, was es heißt, arm zu sein... Ich weiß, daß diese Fragen Senator Kennedy genauso sehr bewegen wie mich; wir haben keine Meinungsverschiedenheiten über die Ziele, sondern nur über die Methoden."

Nixon diskutierte mit Kennedy, als handle es sich um einen forensischen Wettbewerb, bei dem ein Richtergremium Punkte zählt. Er widerlegte und widersprach. Er suchte nach Widersprüchen und Irrtümern in der Rede seines Gegners. Nixon sprach zu Kennedy. Aber Kennedy wandte sich an die Zuschauer, an die Nation. In diesen Diskussionen konnte man nicht an die verschiedenen Gruppen appellieren, sondern nur an alle Amerikaner. Nixons Wahlkampf war von Anfang an auf einen solchen Appell an alle Amerikaner abgestellt. Hier jedoch, vor der größten Zuhörerschaft in der amerikanischen Geschichte, sprach Nixon nicht über sein Hauptthema. Er zeigte seinen Landsleuten nicht, welchen Weg in die Zukunft die Republikanische Partei einschlagen wollte. Er versuchte ausschließlich, sich mit seinem persönlichen Gegner, dem kühlen, selbstsicheren Mann ihm gegenüber, auseinanderzusetzen.