Unlautere Werbung für die Mondfahrt

Von David Fisblock Es gibt eine Menge guter Gründe dafür, Raumfahrt zu betreiben. Der wissenschaftliche Wert der Experimente mit Raumsonden, mit Nachrichten-, Wetter- und Forschungssatelliten und mit bemannten Raumflugkörpern kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es gibt aber keinen guten Gruid für den Wettlauf nach dem Mond, nichts, was moralisch die Ausgabe von Milliarden rechtfertigen könnte für ein technisches Ziel, das gegen einen weitaus geringeren Preis und sicherer zu erreichen wäre, wenn man sich mehr Zeit ließe. Die unguten politischer. Gründe für das überhitzte Mondfahrtprogramm verlieren bei einem wachsenden Teil der amerikanischen Bevölkerung an Überzeugungskraft. Daher stellt die NASA seit einiger Zeit die praktischen Nebenprodukte, die bei den gigantischen Forschungs- und Entwicklungsunternehmen abfallen, in den Mittelpunkt ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Diese Propaganda hat auch auf Europa übergegriffen. Deshalb hält es David Fishlock, der technische Redakteur der englischen Zeitschrift "New Scientist", für angebracht, einmal kritisch zu untersuchen, wie es um den angeblich so wertvollen "technischen fall-out" der Weltraumforschung wirklich bestellt ist.

Angenommen, es legte jemand in jeder Sekunde einen Zehnmarkschein zurück, Tag und Nacht, dann müßte er zweihundert Jahre lang sparen, ehe er die Summe zusammenhätte, die der amerikanische Präsident für staatlich geförderte Forschungs- und Entwicklungsprogramme im Haushaltsjahr 1964 beim Kongreß beantragt hat – 15 Milliarden Dollar: das sind 60 Mi.liarden Mark. Ungefähr die Hälfte davon ist direkt oder indirekt für die Raumfahrt bestimmt, deren Hauptziel gegenwärtig die Landung eines Amerikaners auf dem Mond ist.

Insgesamt wird diese Reise nach dem Mond mindestens 50 Milliarden Dollar verschlingen, das ist das Zweieinhalbfache des ursprünglich dafür veranschlagten Betrages. Doch das Weltraumwettrennen wird nicht auf der staubigen Oberfläche unseres Trabanten enden. Das nächste Ziel ist Mars, und um dort einen US-Astronauten zu landen, wird das amerikanische Volk weitere 300 Milliarden Dollar aufzubringen haben.

Selbst für die an Parkinsons Gesetz gewöhnte amerikanische Nation ist das von Jahr zu Jahr rapide anwachsende Raumfahrtbudget eine arge Zumutung. Die kritischen Stimmen im Lande werden immer lauter, ebenso natürlich die Gegenpropaganda der "Space or bust"-Lobby. Unterdessen fragen europäische Interessengruppen: "Können wir es uns leisten, weiterhin auf eine substantielle Beteiligung an der Raumfahrt zu verzichten?" Die Industrie eines Landes, so wird gern behauptet, profitiert in vielfacher Hinsicht von den technologischen Erfahrungen, die bei Raumfahrt-Experimenten gemacht werden, ergo gerät eine Nation, die sich nicht in solchen Projekten beteiligt, ins Hintertreffen.

Es erscheint mir daher höchst angebracht, diesen "Profit", der angeblich bei den massiven Investitionen in astronautische Abenteuer herausspringt, den sogenannten "technischen fall-out", einmal unter die Lupe zu nehmen.

Der Katalog der Nebenprodukte, die bei dem amerikanischen Raumfahrtprogramm bis jetzt für den US-Bürger abgefallen sind, ist recht stattlich: Transistorradios, die von Sonnenbatterien betrieben werden, die Direktübertragung europäischer Fernsehprogramme, ein elektronisches System, das eine Krankenschwester zu ersetzen vermag, Glasgefäße, die man auf Rotglut erhitzen und dann in Eiswasser abkühlen kann, konzentrierte Nahrungsmittel aus der Tube, Glasfasergewebe zur Verstärkung von Büstenhaltern ...