So stattlich sich der Rekordzuwachs der Spareinlagen bei den 866 Sparkassen im Jahre 1962 mit fast 5,9 Mrd. DM auch ausnimmt, beim "Deutschen Sparkassen- und Giroverband e. V." in Bonn enthält die Genugtuung über dieses Ergebnis doch einige Vorbehalte. "Die erfreuliche Zunahme", heißt es in dem in diesen Tagen veröffentlichten Jahresbericht, "ist nun leider nicht das Ergebnis einer zielstrebigen Wirtschaftspolitik; sie ist vielmehr – sieht man einmal von den Anstrengungen der Kassen selbst ab – ausschließlich dem Standvermögen und dem nüchternen Sinn weiter Bevölkerungskreise zuzuschreiben."

Diese Kritik spricht für sich. Wer damit gemeint ist, läßt sich unschwer ausrechnen, da wirtschaftspolitische Entscheidungen, die dazu beitragen könnten, die "laufende Preiswelle abzufangen", nun einmal in Bonn fallen.

Die Sparkassen sind jedenfalls nüchtern genug, den prozentualen Zuwachs der Spareinlagen gegenüber dem des Vorjahres um 23 % nicht allzu hoch zu bewerten. Dazu war das niedrige Vorjahrsergebnis (1961) viel zu sehr von Sonderfaktoren (Teilprivatisierung des Volkswagenwerkes) bestimmt worden. So ist denn auch zu verstehen, daß die Interessenvertretung der Sparkassen für die Wertung des 62er-Rekordes das Jahr 1960 zum Vergleich heranzieht. Bei dieser Gegenüberstellung schrumpft die außerordentliche Steigerungsrate des Zuwachses von 23% sogleich auf bescheidenere 13%. Diese Basis ist freilich aus der Sicht der Sparkassen auch deshalb ein geeigneter Vergleichsmaßstab, weil dadurch sowohl den Forderungen nach einer Angleichung der Sparprämien an die Wohnungsbauprämie, also auch dem Bemühen, längerfristige Sparer besser zu honorieren, ein gewisser Nachdruck verliehen wird.

Im Augenblick sieht es allerdings danach aus, als würde sich weder in der Sparförderung noch in der Zinspolitik etwas ändern. Hinsichtlich der Sparförderung – hier muß insofern etwas "geschehen", als das Sparprämiengesetz 1962 lediglich um ein Jahr verlängert wurde – sind die Auffassungen in Bonn zwar geteilt. Die einen möchten für einkommensschwächere Bevölkerungskreise einen größeren Anreiz schaffen, andere wiederum die "Großen" durch eine Einschränkung oder Abschaffung des § 10 EStG von den Begünstigungen ausschließen. Vermutlich wird man am Ende aber doch den Weg des geringsten Widerstandes gehen und alles beim alten lassen. In jedem Falle sind aber die Chancen für eine Verbesserung der Sparprämien gering.

Nicht sehr viel besser sind die Aussichten auf eine Heraufsetzung des Sparzinses für Spareinlagen mit jährlicher Kündigungsfrist. Der "Deutsche Sparkassen- und Giroverband" spricht wohl in seinem Jahresbericht davon, daß man "den Sparern den fairen Ertrag aus Investitionen, die mit ihrem Sparkapital finanziert wurden, nicht vorenthalten" dürfe, ist aber angesichts der Widerstände doch recht skeptisch. So kann es kaum verwundern, daß die Sparkassen inzwischen zu einer Art Selbsthilfe gegriffen haben: für Spareinlagen, die länger als vier Jahre festliegen, die also nicht unter das Habenzinsabkommen fallen, zahlen viele Kassen bereits einen höheren Zins. Der Verband selbst "hält es für richtig, wenn die Sparkassen von der Möglichkeit einer besseren Verzinsung jenseits der Vierjahresgrenze Gebrauch machen".

Begünstigt werden davon allerdings nur die auf Grund der allgemeinen Sparverträge angelegten Beträge. Ende 1962 waren dies rund 1,55 Millionen Verträge mit einem prämienbegünstigten Guthaben von 1,5 Mrd. DM. Für die 1,14 Millionen Ratensparverträge über 1,6 Mrd. DM bleibt es dagegen bei dem "verordneten" Sparzins von vier Prozent. "Während man in früheren Jahren häufig gewisse Bedenken hatte", bemerkt hierzu der Verbandsbericht, "die beiden Vertragsarten (und damit zwei Sparergruppen) in der Zinsgebarung unterschiedlich zu behandeln, erschien eine solche Differenzierung unbedenklich, nachdem die allgemeinen Sparverträge weit mehr als die Hälfte aller prämienbegünstigten Verträge ausmachen." H. H.