Ein kurioser Leitfaden

Von Werner Koch

Es soll bescheidene Menschen geben, denen die stolze Freude einer Löwenjagd zeitlebens versagt bleibt. Was machen die Armen? Sie gehen in den Zoologischen Garten, oder sie verfolgen vor dem Fernsehschirm mit Hardy Krüger und seiner Sportmaschine der fremden Länder schöne Tiere. Und wenn sie mehr wissen wollen? Wenn sie wissen wollen, wie alt ein Puma wird, wieviel Junge eine Löwin wirft und ob der Leopard tatsächlich Menschen auffrißt? Was dann?

Dann greifen sie zum Brehm. Nicht zum alten Brehm – wer hat den noch? –, auch nicht zum großen Brehm, man hat ja keine Tierbibliothek, nein, da gibt es etwas Handlicheres –

"Der neue Brehm – Brehms Tierleben", Volksausgabe in einem Band, herausgegeben von Wilhelm Bardorff; Safari-Verlag, Berlin; 667 S., 312 Abb., 16,80 DM.

"Der Mensch", so liest man da, "nimmt sich gewöhnlich nicht die Mühe, die Fähigkeiten der Katze genauer zu erforschen, sondern läßt sich von dem einmal feststehenden Urteil einnehmen und von selbständiger Prüfung zurückschrecken."

Wir schraken erst später zurück. Obwohl auch zur Gattung der Menschen gehörig, prüften wir – das Buch, nicht die Katze.