Bei den Statistikern ist die Einheit Europas noch nicht ausgebrochen. Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften weiß davon ein Lied zu singen. Für die Arbeit der EWG-Kommission die erforderlichen statistischen Unterlagen aus den sechs Mitgliedstaaten zusammenzubringen, scheitert oftmals vor allem bei Italienern, Franzosen und auch Belgiern. Die nationalen Statistischen Ämter dieser Länder finden sich zur Hergabe ihres Materials in vielen Fällen nicht bereit. Juristen blieb es vorbehalten, zu entdecken, daß hierzu auch keine rechtliche Verpflichtung besteht.

Immerhin hat sich zwischen den "europäischen" Statistikern in Brüssel und dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden eine vorzügliche Zusammenarbeit entwickelt; ähnlich geht es mit den amtlichen Statistikern der Niederlande. Speziell in einem so hart umstrittenen europäischen Sachgebiet wie der Landwirtschaftspolitik erhält die EWG-Kommission von diesen beiden nationalen Ämtern alles Erforderliche. Deutschland und Holland legen also ihre agrarstatistischen Fakten auf den Tisch – Italiener, Franzosen und teilweise Belgier verzichten häufig darauf.

Als eine Begründung wird angeführt, daß man in diesen drei Ländern ohnehin nach anderen, statistischen Buchungsverfahren arbeitet als etwa in der Bundesrepublik. Folglich – so argumentiert man – würde die Hergabe aller Daten dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften ohnehin wenig nützen. Tatsächlich bildet das Fehlen gemeinsamer Verfahren eine der größten Schwierigkeiten, die dem Aufbau einer europäischen EWG-Statistik entgegenstehen. Trotzdem darf auf der anderen Seite nicht verschwiegen werden, daß es in Rom wie in Paris genügend Interessenten gibt, die es zufrieden sehen, wenn über manchen wirtschafts- und vielen agrarpolitischen Fakten ihres Landes ein Nebel bleibt.

Das ganze wird zum Politikum. In Holland ist man zornig, daß zwar die Niederländer (und eben auch die Deutschen) ihre Zahlen vor der EWG-Kommission ausbreiten, während "die anderen" darauf teilweise verzichten. Auch die niederländischen Statistiker könnten Anweisung erhalten, gegenüber den Informationswünschen der EWG-Kommission größere Zurückhaltung zu wahren, falls nicht die Italiener und Franzosen ihre Unterlagen ebenfalls zur Verfügung stellen – so droht man.

Tatsächlich geht es um dreierlei: Erstens den guten Willen, der EWG-Kommission bei der Verwirklichung des von allen sechs Ländern unterzeichneten Vertrages mit statistischen Unterlagen nach Kräften zu helfen, wobei es sich besonders auch darum handelt, die Kommission instandzusetzen, die bereits beschlossene EWG-Agrarpolitik auf der Basis zuverlässiger Daten richtig zu leiten. Zweitens um den in allen sechs Mitgliedsparlamenten erforderlichen Gesetzesakt, der den nationalen Statistischen Ämtern die Auskunft an das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften zur Pflicht macht; drittens die auch mit Zuteilungen aus den Staatshaushalten verbundene Aktion der Gesetzgeber, den nationalen Statistischen Ämtern die Umstellung ihrer Arbeit auf Systeme und Verfahren zu ermöglichen, deren Ergebnisse vergleichbar sind und also eine statistische Synthese in der EWG erlauben.

Erst dann – und das dauert noch Jahre – wird sich die EWG-Kommission nicht mehr den gelegentlichen Vorwürfen gegenübersehen, daß... ihre statistischen Unterlagen ungenau seien. Heute ergibt sich, daß das Grundlagenmaterial für die Arbeit der Kommission häufig nur durch korrigierendes Gegenüberstellen der Statistiken aus verschiedenen Quellen – der Ämter, einzelner Ministerien oder der Wirtschaftsverbände – Zustandekommen.

Wie soll aber eine seriöse Arbeit in Brüssel geleistet werden können, wenn von den EWG-Partnern "Sabotage" an der Statistik getrieben wird? Hermann Bohle